So findest du Ausgleichsprojekte für klimaneutrale Events

Eventmanagement  |  16/06/2022

Wer klimaneutrale Events planen und durchführen will, braucht ein ganzheitliches Konzept. Dazu gehören sowohl die Erfassung der CO2-Emissionen ebenso wie deren Reduktion und im letzten Schritt auch die Kompensation. Und wirklich erst am Schluss. Erst, wenn du alles reduziert hast, was irgendwie möglich ist, solltest du an die Kompensation denken und Ausgleichsprojekte für klimaneutrale Events suchen. Alles andere wäre GreenWashing – und diesen Vorwurf willst du dir ganz sicher nicht anhören (müssen). Doch wie gleichst du deine CO2-Emissionen am besten aus? Genau das verrät dir in diesem Blogbeitrag meine Interviewpartnerin Dr. Frauke Fischer.

 

Ausgleichsprojekte für klimaneutrale EventsAusgleichsprojekte für klimaneutrale Events

 

First things first: Wie finde ich überhaupt meinen CO2-Verbrauch heraus?

Beispielsweise bei Online-Events für die Server und den Traffic auf der Event-Plattform?

Eines würde ich gern vorneweg erwähnen: Wir alle haben nicht nur einen CO2-Abdruck, sondern einen ökologischen. Darin ist viel mehr erfasst, als die reine Emission von CO2. Beispielsweise ist in vielen Produkten Palmöl enthalten, von dem wir wissen, dass dessen Nutzung bzw. Anbau negative Folgen für unsere Umwelt hat.

Aber zurück zur CO2-Reduktion: Du ermittelst deinen CO2-Verbrauch, am besten mit einem CO2-Rechner. Welchen du nimmst, ist gar nicht so wichtig. Für die meisten sind die Bereiche Mobilität und Energie, vor allem Heizen, relevant.

Diese hier sind auf Veranstaltungen spezialisiert:

CO2-Rechner vom UBACO2-Rechner vom UBA

Und für den privaten Verbrauch gibt’s u.a. diese Rechner:

CO2-Rechner des UBA für den PrivathaushaltCO2-Rechner des UBA für den Privathaushalt

Und wie kompensiere ich den ermittelten CO2-Verbrauch?

Es gibt viele Möglichkeiten, die durch dein Event entstandene und nicht mehr reduzierbare CO2- Emission zu kompensieren.

Einige der Methoden sind jedoch brandgefährlich und es lohnt sich, dass du bei Ausgleichsprojekten für klimaneutrale Events genauer hinschaust. Anbieter billiger Zertifikate beispielsweise zünden Methan an, wobei CO2 entsteht. Damit machen sie aus einem gefährlicheren Klimagas ein weniger gefährliches. Das ist wenig sinnvoll.

Allerdings gibt es auch weitaus sinnvollere und hilfreichere Projekte, z.B. den Schutz von Wäldern und manchmal – aber nicht immer! – das Pflanzen von Bäumen.

> Tool-Tipp: Mit dem Scoring-Tool des CCQI findest du kostenfrei heraus, wie gut dein Kompensationsprojekt bzw. -zertifikat ist.

CCQI Scoring-Tool

Wie finde ich ein seriöses Ausgleichsprojekt? Woran erkenne ich dieses?

Das ist eine gute Frage. Denn das reine Pflanzen von Bäumen ist nicht immer gut. Wie so oft im Leben gilt hier “das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint”. Beim Bäume pflanzen, kommt es beispielsweise darauf an, welche Arten du pflanzt, wie der Boden beschaffen ist und welche Bedingungen der Standort reinbringt. Um das wirklich zu verstehen, braucht man einen Experten.

Was beispielsweise immer gut ist, ist das wieder Vernässen von Mooren. Denn in den Böden ist Kohlenstoff gebunden und wird erstmalig zu CO2, wenn Moore austrocken. Und hier kommt auch schon ein konkreter Haken an der Sache mit dem Bäume pflanzen. Wer Moore trockenlegt, um dort Bäume zu pflanzen, macht aus der normalerweise guten Sache “Bäume pflanzen” eine klimaschädliche Maßnahme. Bäume pflanzen ist nicht nur auf Mooren, eine weniger gute Sache – auch auf den falschen Böden, mit den falschen Arten oder ohne die richtige Pflege.

Man muss also genau hinschauen, was man da tut.

Allerdings kann man sagen: Das Vermeiden von Abholzen von Wald ist immer gut. Und genau das kann man auch über Kompensationsprojekte kaufen/bezahlen/ermöglichen.

Was am Bäume pflanzen ebenfalls schwierig ist? Wenn nur Monokultur gepflanzt wird oder die falschen Bäume ausgewählt werden. Beispielsweise sind Douglasien oder Stileichen keine so gute Baumart in Deutschland, da sie aus Nordamerika kommen. Warum ist das ein Problem? Diese Bäume sind für die hier vorkommenden Tiere und Organismen nicht nützlich – für keinen Vogel, für kein Insekt, für keinen Pilz oder für keine Mikroorganismen. Das ist wie mit den Balkonblumen, die wir so schön finden, die jedoch für Insekten oft nicht nutzbringend sind.

Der Fokus all unserer Ausgleichsprojekte und -bemühungen muss also stets darauf liegen, intakte Ökosysteme zu erhalten oder gestörte zu renaturieren – eben in dem wir beispielsweise Moore bewässern.

Warum brauche ich einen Experten für Klimaausgleichsprojekte?

Oder warum sollte ich zumindest einen befragen?

Als Laie kannst du wirklich kaum erkennen, ob du ein gutes Projekt ausgewählt hast. Man braucht dafür einfach Expertise – wie bei der Eventorganisation. Da glauben ja auch viele, die mal eine Hochzeit oder Geburtstagsparty organisiert haben, sie könnten auch größere Veranstaltungen planen und durchführen.

Es gibt durchaus Projekte und Anbieter, die standortfremde Arten pflanzen und eine Garantie für den Baumbestand von 100 Jahren geben. Doch das ist lächerlich. Denn 100 Jahre sind der Zeitraum, nachdem ein Baum gefällt wird, damit er in die Holzproduktion gehen kann. Besser wäre, die Bäume stünden länger. Mit anderen Worten: Du bezahlst mit deinem Ausgleichsprojekt ein Unternehmen für deren Holzproduktion.

Bevor du irgendein Projekt finanzierst, frag Experten, z.B. auch gern mich.

Was spricht für Ausgleichsprojekte im Ausland?

Vor allem in Ländern mit Regenwald?

Eine wirklich nicht so einfach zu beantwortende Frage “Soll ich nun Pflanzprojekte oder Ausgleichsprojekte im In- oder im Ausland finanzieren?”.

Für ein Ausgleichsprojekt im Ausland spricht, dass es eine super Idee ist, die degradierte Regenwaldfläche aufzuforsten. Gerade in den Tropen ist der Fortbestand der grünen Lunge der Erde so wichtig. Wusstest du, dass wir alle 5 Sekunden eine Fläche einer Größe eines Fußballfelds verlieren? Wald schützen ist viel besser, als Wald zu pflanzen. D.h. es wäre viel, viel sinnvoller, den Wald vor allem dort zu erhalten.

Ausgleichsprojekte für klimaneutrale Events - Wald schützen ist besser als Wald zu pflanzen.

Übrigens: Allein 20 Prozent der CO2-Emissionen kommen aus der Zerstörung von Regenwald – wegen Acker- und Weidefläche, für billige Schokolade und billigen Kakao. Deutschland ist das Land, was in Westafrika für die Zerstörung des dortigen Regenwaldes hauptsächlich verantwortlich ist. Denn dieser wird für unseren Schokoladenkonsum zerstört. Fällt das wirklich so ins Gewicht? Ja, denn wir sind viele und wir haben viel Geld.

Für ein Ausgleichsprojekt im Ausland spricht außerdem, dass man dort mit einem Euro mehr erreichen als im Inland. Denn bei uns ist Fläche teuer und die Arbeitskraft ebenfalls. D.h. es ist hier bei uns viel kostenintensiver, 1 Hektar Wald zu schützen.

Diese Argumente sind jedoch nur dann wirklich haltbar, wenn vor Ort wirklich etwas bewirkt wird.

Was spricht gegen Ausgleichsprojekte im Ausland?

In der Tat gibt es auch Nachteile bei Ausgleichsprojekten im Ausland. So ist es schon enorm wichtig, dass es in dem Land, in dem ich etwas bewirken will, mich auf eine gewisse Rechtssicherheit verlassen kann. Denn – im Gegensatz zu Ausgleichsprojekten vor Ort – kann ich nicht kontrollieren, was mit meinem Geld passiert. In Asien gibt es Fälle, wo Regenwald gerodet wurde, damit man danach dort aufforsten konnte. Möglicherweise sogar mit Teak, woran sich einer “eine goldene Nase verdient hat”.

Warum ist ein Ausgleichsprojekt in Deutschland interessant? Und was spricht auch hier gegen ein solches?

Auch bei uns gibt es sinnvolle Projekte und natürlich gibt auch bei uns auch einiges zu tun. Beispielsweise haben wir in Deutschland nur noch 0,2 Prozent natürliche Waldfläche. Außerdem spricht dafür, dass du besser kontrollieren kannst, was mit dem Projekt geschieht. Schließlich ist es relativ einfach, sich einmal vor Ort persönlich zu überzeugen.

Übrigens: Der Klimawandel ist nicht das größte Problem, sondern der Verlust von Biodiversität und Ökosystemleistungen.

Wir haben nur noch 0,2% Wald. Ausgleichsprojekte für klimaneutrale Events

Warum ist der Klimawandel gar nicht unser größtes Problem?

Der Verlust von Biodiversität und Ökosystemleistungen ist viel dramatischer als der “reine Klimawandel”. Warum? Jeder Eingriff in die Natur trägt dazu bei, unsere Lebensgrundlage zu zerstören. Was wir brauchen sind naturbasierte Lösungen:

  • Moore wieder bewässern,
  • Regenwald schützen,
  • verloren gegangenen Wald wieder aufforsten

Dass uns “Corona heimgesucht hat”, hat viel damit zu tun, dass wir Regenwälder zerstören.Landnutzungsänderung verursacht heute bereits ein Drittel aller Krankheiten. Wenn wir nicht aufhören anders mit Ökosystemen umzugehen, züchten wir weitere Pandemien.

Wir züchten weitere Pandemien. Ausgleichsprojekte für klimaneutrale Events

Beim Klimawandel geht es darum, wie wir zukünftig leben und beim Verlust von Biodiversität geht es darum, ob wir zukünftig überleben werden.

 

Kannst du konkrete Projekte empfehlen?

Eine gute Idee, sind wirklich die Wiederbewässerung von Mooren oder wenn du die einschlägigen Naturschutzorganisationen finanziell unterstützt.

Dr. Frauke Fischer
Dr. Frauke FischerDie Interviewpartnerin

Dr. Frauke FischerAgentur auf! Biodiversitätsexpertin, Beraterin, Rednerin

Übrigens: Die Website MICEstens digital wird inzwischen auf Servern gehostet, die mit 100% Ökostrom betrieben werden. Außerdem habe ich 6 Tonnen CO2 im letzten Jahr über moorfutures.de ausgeglichen. Berechnet habe ich den CO2-Verbrauch über die Website klimapositiv.world.

 

 

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