Ich wollte Claude Design testen und erfahren, ob ich ohne eine Zeile Code eine Event-App prototypisch bauen kann. Ergebnis: ja, und zwar schneller, als ich Kaffee nachgeholt habe. Aber – und das ist der ehrliche Teil dieses Beitrags – mit genau den Fragen im Hinterkopf, die du dir als Eventplanerin sowieso stellen solltest, bevor du KI irgendwo einsetzt.
TL;DR: Mit Claude Design habe ich in unter einer Stunde einen klickbaren Prototyp für eine Event-App gebaut – „AI Marketing Summit", fiktiv, aber realistisch. Claude im Chat hat bei Ideen und Texten geholfen, Claude Code hat die Datei auf meine Subdomain gesetzt. Das Ergebnis kannst du dir hier anschauen. Was ich dabei gelernt habe, was das für deine Event-Planung bedeutet und warum ich trotz Euphorie nicht den Datenschutz-Disclaimer vergesse, liest du hier.

1. Warum überhaupt eine Event-App prototypisch bauen?
Event-Apps sind so ein Thema. Entweder du hast eine – dann hast du viel Geld, Nerven und Koordination mit einem Anbieter hineingesteckt. Oder du hast keine – und fragst dich bei jeder größeren Veranstaltung, ob sich das lohnen würde.
Das Problem: Angebote einzuholen ist teuer, zeitintensiv und endet oft mit Feature-Listen, die mehr verwirren als helfen. Was braucht eine Event-App eigentlich? Was ist Schnickschnack? Wie sieht sowas überhaupt aus, wenn man es für die eigene Zielgruppe bauen würde?
Früher hieß die Antwort auf diese Fragen: Mockups bei einer Agentur bestellen. Kosten: vierstellig. Zeitrahmen: Wochen.
Neue Antwort seit April 2026: Prototyp mit Claude Design bauen. Kosten: Zeit. Zeitrahmen: Ich habe circa eine Stunde gebraucht bis alles live war.
2. Was ist „Claude Design“?
Kurze Begriffsklärung, weil „Claude" inzwischen mehrere Gesichter hat:
- Claude (Chat) – das klassische KI-Gespräch auf claude.ai. Texte, Ideen, Brainstorming, Strategie.
- Claude Code – ein Tool für die Kommandozeile, das direkt in meinem Projektordner Dateien ändert. Für den technischen Kleinkram.
- Claude Design – eine neuere Funktion, mit der sich aus einer Beschreibung heraus funktionsfähige Design-Prototypen erzeugen lassen. Klickbar, interaktiv, direkt im Browser.
Für den Prototyp habe ich alle drei kombiniert. Jedes Tool für das, was es am besten kann.
Ein Blick in Claude Design und vorhandene Templates:

3. Von der Idee zum Klick-Prototyp: Mein Ablauf
Zuerst habe ich mir überlegt, für welche fiktive Veranstaltung ich die App bauen will. Ein „AI Marketing Summit" – plausibel, aktuell, mit klaren Personas. Niemand soll denken, das sei eine echte Veranstaltung, aber jeder soll sich hineinversetzen können.
Dann bin ich in Claude Design und habe beschrieben, was ich wollte:
- Mobile App (nicht Desktop)
- Dunkles Design mit Violett- und Cyan-Akzenten
- Die Screens, die eine Event-App braucht: Startseite, Agenda, Session-Detail, Speaker, Networking, Profil
- Klickbar, mit Tab-Navigation unten, realistischer Flow
Und dann ging's los. Klick, Vorschau, Korrektur, neue Version, noch eine Idee, noch ein Screen. Wie in einer Design-Session mit einer Agentur oder internen Designer·innen.

4. Was mich bei der Arbeit mit Claude Design und Claude Code überrascht hat
Ich dachte, ich würde mindestens einen halben Tag brauchen. Allein die Struktur zu durchdenken, die einzelnen Screens zu definieren, alles in ein stimmiges Design zu bringen – das ist ja keine Kleinigkeit.
Was mich wirklich überrascht hat: wie wenige Klicks es gebraucht hat, bis ein klickbarer Prototyp stand, der sich schon fast wie eine echte App anfühlte. Und dass ich ihn auf meine Wünsche anpassen konnte, ohne vor jeder Änderung zu denken „oh, das wird jetzt kompliziert".
Unter einer Stunde. Für ein Ergebnis, was vor Kurzem so gar nicht möglich gewesen wäre.
5. Was der Prototyp zeigt – und was eine gute Event-App können muss
Beim Bauen ist mir nochmal klar geworden, was in einer Event-App eigentlich drinstecken muss, damit sie nicht einfach nur ein digitales Programmheft ist:
- Agenda mit Filtermöglichkeit – nicht alle Teilnehmer·innen interessieren sich für alle Tracks
- Session-Details mit Speaker-Info – Bio, Kontakt, idealerweise Vernetzungsmöglichkeit
- Networking-Funktionen – Profile, Teilnehmerverzeichnis, Kontaktaustausch
- Klare Tab-Navigation – damit niemand denkt „wo war das nochmal?"
- Profil-Bereich – eigene Sessions merken, Favoriten, Einstellungen
Der Prototyp zeigt genau das. Und wenn du dich durchklickst, merkst du: Das ist nicht nur Design, das ist Informationsarchitektur. Die Struktur einer Event-App ist fast wichtiger als ihr Aussehen – und so kannst du beides prüfen, bevor du einen Anbieter beauftragst.
6. Was Claude Code dazu beigetragen hat
Claude Design liefert den Prototyp als fertige HTML-Datei. Die muss aber noch irgendwo landen, damit du sie zeigen kannst. Bei mir: auf meiner Subdomain mit-ki.micestens-digital.de.
Hier kam Claude Code ins Spiel. In der Kommandozeile habe ich beschrieben:
- Neue Kachel für die Tool-Übersicht anlegen, bewusst anders aussehend als die bestehenden drei
- Eine Landingpage drumherum bauen, die den Prototyp im Phone-Frame zeigt
- Alles in die bestehende Ordnerstruktur einsortieren, ohne die anderen Seiten zu verändern
Claude Code hat die Dateien erstellt, mir die Unterschiede angezeigt, auf mein OK gewartet – und dann sauber einsortiert. Kein Copy-Paste-Gefummel. Keine kaputten Links.

7. Der ehrliche Teil: Grenzen von Claude Code und -Design
Ich wäre nicht ich, wenn ich dir nicht auch sagen würde, wo die Sache noch Fragen offen lässt.
Grenze 1: Das ist kein echtes Projekt. Mein Prototyp ist nicht mit einer Datenbank verbunden, hat keine Push-Benachrichtigungen, kann keine Teilnehmenden-Daten verwalten. Er sieht aus wie eine App und fühlt sich an wie eine App – ist aber eine Sammlung interaktiver Screens. Ob das, was ich gebaut habe, in der Praxis skaliert, kann ich dir ehrlich gesagt nicht sagen, bis ich es mit einem echten Event durchspiele.
Grenze 2: Datenschutz und -sicherheit. Wer hat Zugriff? Ist die Applikation sicher gegen Angriffe? Wo liegen die Daten? Was passiert mit echten Teilnehmenden-Daten? Für einen fiktiven Prototyp mit erfundenen Speakern ist das unkritisch. Sobald du aber mit echten Teilnehmenden-Daten oder internen Informationen arbeitest, wird das zur Kernfrage. Die musst du unabhängig vom Tool lösen – mit deiner IT, mit deinem Datenschutzbeauftragten, mit einer bewussten Entscheidung.
Grenze 3: Ein Prototyp ersetzt keinen Anbieter. Wenn du tatsächlich eine Event-App brauchst, geht der Weg trotzdem über einen spezialisierte Anbieter (es gibt viele gute im Markt). Der Prototyp ist kein Ersatz – er ist eine Vorbereitung. Damit du weißt, was du willst, bevor du kaufst.
8. Warum das trotzdem ein Game Changer für Eventplaner·innen ist
Auch mit allen Grenzen bleibt: Für die Phase vor der Entscheidung ist ein Prototyp mit KI fantastisch.
Du kannst:
- Stakeholder·innen früh einbeziehen – zeig der Geschäftsführung einen klickbaren Prototyp statt ein PDF mit Feature-Listen. Das Verständnis ist sofort da.
- Angebote vergleichen mit echten Fragen – wenn du weißt, wie du dir den App-Flow vorstellst, erkennst du auch, welcher Anbieter das liefert und welcher nur Werbeprospekte hat.
- Intern diskutieren, bevor du extern buchst – was brauchen wir wirklich? Was ist Schnickschnack? Die Antwort kommt leichter, wenn du einen konkreten Prototyp vor dir hast.
- Budget klarer verhandeln – du weißt eher, wo der faire Preis liegt, wenn du selbst schonmal gesehen hast, was möglich ist.
Der Prototyp kostet nichts außer etwas Zeit. Die Erkenntnis, die du daraus ziehst, ist unbezahlbar für die nächste App-Entscheidung.
9. Schau’s dir selbst an
Den Prototyp habe ich auf meiner Tool-Subdomain veröffentlicht. Klick dich durch, schau, was Claude Design möglich macht – und überleg beim Durchklicken, wie deine Event-App aussehen würde.
Er ist bewusst kein Desktop-Tool, sondern in einem Phone-Frame eingebettet. Du siehst sofort, dass du eine mobile App vor dir hast. Genau wie ein·e Teilnehmer·in diese auf ihrem/seinem Smartphone sehen würde.
10. Fazit: Was Claude Code und Claude Design für dich bedeuten
Wenn du als Eventplanerin regelmäßig mit der Frage „App oder keine App?" konfrontiert wirst, dann ist dies hier meine Anregung: Probier es selbst. Eine Stunde deiner Zeit, keine Programmierkenntnisse nötig, am Ende hast du einen Prototyp, mit dem du intern Gespräche führen kannst.
Und wenn du merkst, dass du beim Durchdenken Fragen bekommst – welche Features brauche ich wirklich? Wie unterscheide ich gute Anbieter von schlechten? Dann lass uns darüber reden. Auf LinkedIn oder per E-Mail: taepke@micestens-digital.de.
Bonus: Bleib dran
Ich schreibe regelmäßig darüber, wie KI und Eventmanagement zusammenspielen – mal begeistert, mal skeptisch, immer praxisnah. Wenn dich das interessiert:
Keine Werbeflut, kein Verkaufsgeschrei. Nur das, was wirklich hilfreich ist, wenn du Veranstaltungen planst und dir die Werkzeuge von morgen schon heute anschauen willst.
Du planst gerade konkret eine Veranstaltung und überlegst, ob du eine App oder eine Event-Software brauchst? Buch dir einen Termin bei mir – wir sortieren gemeinsam, was sinnvoll ist und was du dir sparen kannst.
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