Wie cool ist ein virtual Meetup wirklich?

Viele virtuelle Messen und Events laufen nach einem ähnlichen Schema ab. Mit Hilfe eines Videokonferenz-Tools streamen sie Vorträge von Referenten und Ausstellern, die du als Teilnehmer auf deinem Rechner oder Smartphone ansiehst. Allerdings kannst du auch heute schon in einer 3D-Welt, in der Virtual Reality, an Veranstaltungen teilnehmen. Beispielsweise mit einem Digital Twin deines Messestandes oder deiner Messehalle. Da diese 3D-Welten so wie auch Videospiele unheimlich viel Rechenpower, laufen sie eben nicht über einen Webbrowser. Stattdessen lädst du dir eine Applikation wie bei einem Videospiel auf deinen Rechner bzw. in deine VR-Brille und erst dann geht’s los. Wie so ein virtual MeetUp aussieht und wie cool die Teilnahme daran ist, erfährst du aus diesem Praxistest.

Noch eins vorneweg: Ich habe an dem “Virtual Germany – das erste deutschlandweite virtuelle VR & AR Meetup” am 28. April 2020 teilgenommen. Daher beziehen sich meine Erfahrungen auf dieses Event.

Einstimmung auf die Bedienung einer VR-Brille und das virtual MeetUp
Einstimmung auf die Bedienung einer VR-Brille und das virtual MeetUp

Technische Voraussetzungen für ein virtual MeetUp

Als Teilnehmer eines virtual MeetUp brauchst du oder benutzt du:

  • das Anmeldeportal für deine Registrierung beim Event,
  • eine VR-Brille oder einen 3D-fähigen Rechner,
  • Kopfhörer,
  • die Registrierung auf der VR-Plattform sowie
  • eine App, die du von der VR-Plattform auf deine Brille bzw. den Rechner lädst.

Das Anmeldeportal

Fangen wir einfach an: Die Anmeldung läuft wie bisher auch über eine reguläre Anmeldeplattform. In diesem Falle war das die MeetUp Plattform. Dort findest du dann auch erste weitere Informationen zur Event-Technik. Alles weitere gibt’s dann auf der VR-Plattform: von den verwendbaren VR-Brillen und Rechnern bis zur Installation der Applikation.

Die VR-Brille oder ein 3D-fähiger Rechner

Je nach Anwendung eignen sich unterschiedliche VR-Brille für die Teilnahme an so einem virtual MeetUp. Die VR-Plattform engagevr.io unterstützt einiges an VR-Brillen sowohl die PC gestützten VR-Brillen als auch Stand-Alone-Brillen.

Ich habe die Oculus Quest genutzt, welche die Installation einer anderen Applikation erforderte. Das stand schon gleich zu Beginn und leicht auffindbar auf der Seite von engagevr.io. Allerdings gab es am Tag vor dem virtual MeetUp ein Update auf der Oculus Quest. Die bereits installierte Software für engage wieder zu finden, war schon eine mittlere Herausforderung.

Da diese Programme rechenintensiv sind, sollte dein PC oder Laptop mindestens folgende Eigenschaften mitbringen:

  • Intel Core i5 Prozessor oder besser,
  • 8GB RAM,
  • Grafikkarte NVIDIA GTX 970 oder besser,
  • 9GB Speicherplatz auf der Festplatte.

Der Standard-Laptop im Büro wird so wohl seltener ausgerüstet sein; vor allem was die Grafikkarte betrifft.

Kopfhörer

Die Kopfhörer sind sinnvoll, damit du unangenehme Echos und Audio-Störungen vermeidest. Außerdem muss ja nicht gleich die komplette Familie oder Bürogemeinschaft hören, was auf der Eventbühne passiert.

Ich persönlich empfehle dir hier kleine in-ear-Kopfhörer, denn du hast ja schon die VR-Brille auf dem Kopf. Außerdem finde ich die kabelgebundene Variante besser, weil sie aus meiner Sicht störungsfreier funktioniert. Das ist allerdings ein subjektives Gefühl. Bei den Kabeln solltest du dir vorm Aufsetzen der VR-Brille überlegen, wo lang diese laufen sollten, damit du dich nach dem Eintauchen in die VR-Welt nicht verhedderst. 😉

Registrierung auf der VR-Plattform

Für dieses virtual MeetUp hat der Veranstalter die VR-Plattform engagevr.io gewählt. Dort laufen häufiger Events, falls du dir das auch einmal anschauen möchtest.

Im Registrierungsprozess kannst du auch deinen Avatar, also dein digitales Abbild, auf dein Erscheinungsbild anpassen. Wobei ich mir recht sicher bin, dass du mich anhand meines Avatares nicht erkannt hättest, denn solche Avatare sind von der Realität einfach noch zu weit weg. Du kannst dir auch einmal das untenstehende Video ansehen. Da bekommst du schnell einen Eindruck von der Qualität der Avatare.

👇Beispiel einer virtual Conference auf engage:

Auf dieser Plattform habe ich mich dann noch einmal für das Event angemeldet und dort auf “attend” geklickt. Den richtigen Link dafür hatte der Event-Veranstalter zur Verfügung gestellt. In der öffentlichen Eventliste auf der Plattform war er nicht einsehbar. Das fand ich persönlich weniger intuitiv. Auch deshalb empfiehlt dir der Eventveranstalter, dich ein paar Tage vorher mit dem System vertraut zu machen und ca. 1 Stunde vorher einmal einzuloggen, ob alles klappt. Solche Testteilnahmen empfehle ich dir und deinen Teilnehmern auch für “normale” Online-Konferenzen. Einfach weil nicht jeder gleich alles findet und manchmal hier und da etwas hakt.

virtual MeetUp – einloggen auf engagevr.io
virtual MeetUp – einloggen auf engagevr.io

Das Networking im virtual MeetUp

Endlich! Kurz vor 20 Uhr war ich im virtual MeetUp eingeloggt und konnte tatsächlich mit anderen Leuten networken. Das war cool. Ich habe Teilnehmer aus der realen Welt wieder getroffen und sie anhand der Namen über ihren Köpfen und ihrer Stimmen erkannt. Außerdem konnten wir wirklich wie auf echten Veranstaltungen in Grüppchen zusammenstehen und netzwerken. Oder auch mal durch die Konferenzlobby laufen. Das ist cool.

Darüber hinaus habe ich mir das Freigelände angesehen und bin auch von diesem ziemlich begeistert. Ein KonferenzCenter direkt am Meer mit Blick auf die Golden Gate Bridge ist schon stark. Auch das ‘freie’ Laufen durch die Location und das Freigelände machten Spaß. Allerdings war die Oberfläche noch relativ einfach gestaltet. Richtige Videospiele können heute da schon deutlich mehr und bringen wesentlich mehr Emotionen rüber.

Wie sich engage selbst präsentiert:

Die Vortragssession im virtual MeetUp

Mit Beginn des Vortrages im virtual MeetUp verschwand der Networking Bereich und man konnte das Vortragsprogramm in einzelnen Räumen ansehen. Da ich bereits vom Eventveranstalter auf der Event-Seite gelesen hatte, dass maximal 50 Personen gleichzeitig in einem Raum sein können, war ich auf ein wenig Andrang vor dem Einlass in einen Raum eingestellt. Und so kam es dann auch.

Es dauerte eine ganze Weile und ich konnte dann endlich einen Vortragsraum betreten. Auf der Hauptbühne lief dann der Vortrag eines Sprechers, der ebenfalls als Avatar dargestellt war. Das hätte ich mir realistischer gewünscht. Außerdem war die Tonqualität sehr schlecht und ich wechselte in einen Nebenraum. Dort war der Ton in Ordnung. Jedoch entsprach der Vortrag nicht meinen Vorstellungen, so dass ich nach relativ kurzer Zeit beschloss, mir diesen auf YouTube anzusehen. Denn das Tragen einer VR-Brille wird mit der Zeit ganz schön anstrengend – allein schon beim durch die Nase atmen, wenn da die Brille drauf drückt.

Zur Aufzeichnung des virtual MeetUp:

Gesamteindruck vom virtual MeetUp

Insgesamt hatte ich höhere Erwartungen und Hoffnungen an dieses virtuelle Event. Jedoch war der Networking-Charakter – vor allem der zufällige – schon richtig gut. Gäbe es jetzt noch einen Techniksupport, bessere Avatare und eine deutlich bessere Vortragsqualität, könnte ich dieser Art von virtuellen Events etwas abgewinnen.

Weiteres Event im virtuellen Raum

Was richtig gut gewesen sein soll, ist die Laval Virtual Konferenz, die vom 22. bis 24. April stattfand. Das habe ich leider verpasst und bin daher gespannt auf ein Folgeevent oder andere gute Event-Beispiele. Einen Video-Eindruck gibt’s dennoch:

Außerdem habe ich mich mit einem Laptop einmal auf der Plattform von VirBELA umgesehen. Da waren interessante Features dabei. Allerdings hat mich auch hier die Grafikwelt bzw. das Design so gar nicht angesprochen.

VirBELA Plattform für virtuelle Events
VirBELA Plattform für virtuelle Events

Fazit

Virtuelle Events in einer Game Engine begeistern mich noch nicht so recht. Vor allem, weil sie noch nicht so gut gemacht sind wie die integrierten Apps einer VR-Brille oder die wirklich aufwändigen Spiele. Die Event-Räume und die Avatare sehen noch recht einfach aus und wirken wie Landschaften und Menschen aus einem veralteten Computerspiel. Vielleicht lassen wir Avatare bei virtuellen Events daher lieber ganz weg? Allerdings kann ich mir vorstellen, dass sich diese Plattformen noch deutlich weiter entwickeln werden. Wir stehen erst ganz am Anfang; so wie eben in den 2000ern im Internet. Wenn es also künftig mehr Emotionen, mehr Farben, mehr Effekte etc. und vor allem mehr Liebe zum Detail gäbe, dann könnte ich mir ein virtuelles Event in einer VR-Welt schon vorstellen – als Ergänzung.

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