Gesichtsanalyse: sichere Events & mehr Werbeeinnahmen

Gesichtserkennung, also Facial Recognition, auf Events gibt es bereits seit einigen Jahren. Wenngleich das für eine Einlasskontrolle noch längst nicht Standard ist. Die Vorbehalte auf Seiten der Eventplaner und der Eventbesucher sind groß und die Zuverlässigkeit der Gesichtserkennung durchaus umstritten. Darüber hinaus spielt der Datenschutz und die DSGVO eine große Rolle – vor allem im deutschsprachigen Raum. Doch neben der tatsächlichen Identifizierung eines einzelnen Gesichts, können IT-Systeme auch bestimmte Merkmale von Gesichtern erkennen und diese anonymisiert für weitere Verwendungszwecke zur Verfügung stellen. Beispielsweise für die Gesichtsanalyse. Mit so einer Gesichtsanalyse lassen sich ganz andere Informationen gewinnen und zielgerichtet nutzen – z.B. passende Werbung ausspielen oder erkennen, wie viele Personen (k)einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Gesichtsanalyse auf hybriden Events oder Präsenzevents
Gesichtsanalyse auf hybriden Events oder Präsenzevents

Wie funktioniert die Gesichtsanalyse?

Die in der Location verbaute Kamera scannt das Gesicht des Teilnehmers. Der angeschlossene Media Player (Rechner) verarbeitet und anonymisiert die Daten und gibt sie an eine Ausgabeeinheit, also einen Laptop oder ein Display weiter.

Benötigte Hardware:

Dafür brauchst du eine oder mehrere Kamera(s), einen Rechner, der die Signale verarbeiten kann sowie Display(s), welche die erhaltenen Informationen ausspielen können. Die Displays können dabei die Monitore in einem Steuerraum sein, auf denen du sehen kannst, was in deiner Eventlocation oder Messehalle passiert. Oder du stellst große Bildschirme auf, die auf das reagieren, was sie über die Kameras und die Rechner erkannt haben.

Benötigte Software:

Für genau diese Erkennung und gezielte Verarbeitung brauchst du darauf spezialisierte Software. Lösungen wie intuiface oder FastLane bieten genau das an.

Ist Gesichtsanalyse überhaupt DSGVO-konform?

Disclaimer vorab: Ich bin kein Jurist. Wenn du beim Einsatz solcher Techniken sicher gehen willst, frage noch einmal genau bei einem Experten nach. Beispielsweise bei eventfaq.de oder beim IT-Anbieter der Analyselösung.

Willst du personenbezogene Daten – und dazu gehören Bilder von Personen – erfassen, brauchst du eine ausdrückliche Zustimmung oder eine gesetzliche Grundlage dafür, z.B. im Rahmen einer Strafverfolgung. Zählst du die Personen nur, ist das keine Erfassung von personenbezogenen Daten.

Willst du Personen per Videoanalyse DSGVO-konform erfassen, brauchst du ein „Privacy by Design Konzept“. Das kann so aussehen: Der Sensor in der Kamera erfasst die Personen inklusive deren Alter und Geschlecht. Noch dort werden die Daten anonymisiert und ausgewertet. Der Sensor überträgt anschließend die Daten nur in anonymisierter Version, d.h. nicht mehr das Bild.

Eine flüchtige Datenspeicherung ist laut Urheberrecht (§44a UrhG) ausdrücklich zulässig. Allerdings ist der eben beschriebene Vorgang mehr als eine flüchtige Datenspeicherung, deshalb reicht es nicht, wenn du ein Schild am Eingang aufstellst und auf die Gesichtsanalyse lediglich hinweist.

Wie du die Informationen auf einem Präsenz- oder hybriden Event nutzen kannst

Es gibt eine ganze Menge, was du mit einer Gesichtsanalyse – einem Teilbereich von Indoor Analytics – erkennen und demzufolge nutzen kannst.

Erkennen, wie viele Personen (k)eine Gesichtsmaske tragen

Eine Anwendung, die voraussichtlich in den nächsten Monaten wichtig sein wird: Wer trägt auf deinem Event wirklich eine Maske und wer nicht?

Willst du Teilnehmer ohne Maske „herausfischen“, könntest du über die Displays daran erinnern. Z.B. mit einem Hinweis wie „Bitte tragen Sie auf dem gesamten Gelände einen Mund-Nasen-Schutz“.

Arbeitest du bei einem Konzertveranstalter, könntest du die Information „Maske oder nicht Maske“ auch über ein Display auf der Bühne ausspielen. Tragen die Konzertbesucher ihre Maske nicht oder nicht ordnungsgemäß, könnte die Band oder der Künstler aufhören zu spielen.

Sight-Corp-Gesichtsanalyse
So sieht die Gesichtsanalyse mit Intuiface und Sightcorp aus ? | © Intuiface & Sightcorp
#eventprofs Eine Anwendung, die voraussichtlich in den nächsten Monaten wichtig sein wird: Wer trägt auf deinem Event wirklich eine Maske und wer nicht? Mit der Analyse von Gesichtern #facialrecogniton wird's möglich. Klick um zu Tweeten

Gezielt Werbung ausspielen

Kennst du diese riesigen Monitore auf denen Eventlocations oder Betreiber von Messehallen den Ausstellern Werbeplätze anbieten? Wie wäre es, wenn diese Monitore zielgruppengerechte(re) Werbung ausspielen? Einfach, weil sie dank der Gesichtsanalyse erkennen, welche Zielgruppe sich gerade dem Display nähert. Genau das führt zu relevanteren Werbebotschaften und damit auch zu höheren Einnahmen für den Werbeplatz-Anbieter.

Zukunftsmusik? Keineswegs! NGOs haben vor Jahren bewiesen, dass das funktioniert und basierend auf dem Gesichtsmerkmal „Mann“ oder „Frau“ ein unterschiedliche Spendenkampagne auf dem Display angezeigt. Und auch im Einzelhandel wird Gesichtsanalyse eingesetzt, um passgenaue Werbebotschaften auszuspielen.

Event dank Gesichtsanalyse evaluieren

Wer den Erfolg seines Event analysieren möchte, kann Papierbögen auslegen, Online-Evaluierungstools nutzen oder auch die Stimmung dank Gesichtsanalyse auswerten.

Natürlich kannst du das auch einfach anhand der Mimik und Gestik der Personen im Saal ablesen. Allerdings wird das schon eine echte Herausforderung, wenn dein Event groß ist und über mehrere Säle oder Hallen verteilt stattfindet.

Beispielanbieter für Gesichtsanalyse

Intuiface

Eine Lösung kommt vom Digital Experience-Plattform-Anbieter „Intuiface“ und dem Softwareanbieter „Sightcorp“ und nennt sich „Audience Analytics Bundle“. Zielgruppe sind „Digital out of Home“-Anbieter (DooH) sowie Einzelhändler. Dabei erkannt das „DeepSight Toolkit“ von Sightcorp z.B. das Alter und Geschlecht von Personen, deren Blickrichtung und ob diese eine Maske tragen. Die Daten werden anonym in Echtzeit gesammelt und die DSGVO-konforme Plug-and-Play-Software ist mit jeder 2D-Kamera kompatibel, die an ein Windows- oder Linux-gesteuerten Rechner angeschlossen ist. Das Tool bezieht bei der Ausspielung von Werbeinhalten auch Daten zum Standort oder dem Wetter ein und kann so noch genauer Botschaften aussenden. Wie werbewirksam die Botschaft war, verrät die Auswertung der Blickrichtung und der Verweildauer der Passanten.

Falls dich das mehr interessiert, kannst du dir dazu auch ein kostenfreies Webinar von Intuiface und Sightcorp anschauen. Ich hab mich mal registriert, für den 15. Dezember um 16 Uhr.

PS: Auch Grassfish bietet die Technologie von Sightcorp in einer ähnlichen Partnerschaft an.

 

Emojify

Eine andere Lösung kommt von Emojify. Die kannst du auf deinem Rechner auch gleich einmal ausprobieren. Folge einfach dem Link und gib deine Kamera frei. Und schon siehst du, welche Emotionen die Software bei dir erkennt.
Persönliche Meinung: Bei mir war die Erkennung viel zu ungenau. Selbst bei sehr kritischen Gesichtsausdrücken zeigte das Tool noch „neutral“ an. Vermutlich wird sich das jedoch noch weiterentwickeln. Immerhin können wir heutzutage wie selbstverständlich ein Smartphone mit dem Gesichts-Scan entriegeln.

Fazit

Gesichtserkennung oder auch Gesichtsanalyse sind zwar in Deutschland noch ziemlich umstritten, bieten allerdings heute schon enorme Vorteile für die sichere und zielgruppengerechte Durchführung von Events. Sei es beim Einlass, bei der Ausspielung von passendem (Werbe-)Content, bei der Evaluierung des Eventerfolges oder bei der Erkennung, ob die Teilnehmer Gesichtsmasken tragen.

 

 

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