
Du stellst eine Frage in ChatGPT oder Claude und erhältst eine Antwort, meist eine einzige Perspektive, oft geglättet auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Für eine einzelne Formulierung reicht das oft aus. Bei Entscheidungen mit wirtschaftlicher Tragweite, einer Preisstruktur, einem Eventformat, einem Sponsoring-Zuschnitt, reicht eine glatte Antwort selten aus. Ein Board-of-Directors-Prompt ist genau so ein KI-Prompt für Entscheidungen: Du lässt mehrere Expert·innen-Personas parallel Position beziehen, lässt sie sich widersprechen und verdichtest die Debatte danach zu einer konkreten Empfehlung. Im folgenden Beitrag erfährst du, wie du dein eigenes Board Schritt für Schritt aufbaust und was das Format wirklich kann und was nicht.
Den Tipp mit dem Board of Directors habe ich im OMR-Vortrag von Philipp Klöckner zum ersten Mal gehört und ausprobiert. Hier geht es zum Originalvortrag "Beyond the AI hype: Wo wir wirklich stehen und was uns erwartet".

Warum eine einzelne KI-Antwort bei Grundsatzentscheidungen zu glatt ist
Ein Sprachmodell antwortet standardmäßig ausgewogen. Es wägt ab, es nennt Vor- und Nachteile, und am Ende bleibt eine vorsichtige Empfehlung übrig. Bei einer einzelnen Frage ist das hilfreich. Bei einer Grundsatzentscheidung wird genau diese Ausgewogenheit zum Problem, weil sie Reibung vermeidet, statt sie aufzudecken.
Angenommen, du überlegst, ob dein nächstes Event nur noch als Premium-Ticket-Modell läuft. Fragst du eine KI danach, erhältst du wahrscheinlich eine Antwort, die beide Seiten würdigt: Premium kann die Marge erhöhen, ein Einstiegspreis sichert die Reichweite. Am Ende bleibt eine Konsens-Antwort übrig, die dir keine Richtung vorgibt. Die Entscheidung landet unverändert wieder bei dir.
Ein Board-of-Directors-Prompt bricht diese Glättung bewusst auf. Statt einer Stimme erhältst du mehrere, die jeweils aus einem klaren Blickwinkel argumentieren und sich auch widersprechen dürfen. Erst aus dem Widerspruch entsteht eine Empfehlung, die eine echte Position bezieht, statt beide Seiten gleich zu gewichten.
Beispiel: Mein eigenes Board of Directors

Was ist ein Board of Directors? Ein KI-Prompt für Entscheidungen
Ein Board-of-Directors-Prompt ist eine KI-Anweisung, die mehrere klar unterscheidbare Expert·innen-Personas simuliert und zu einer Frage strukturiert diskutieren lässt. Jede Persona erhält einen eigenen fachlichen Fokus, etwa Strategie, Zahlen oder Vertrieb, und eine erkennbare Denkweise. Statt einer verwässerten Konsens-Antwort erhältst du mehrere Positionen, die sich auch widersprechen dürfen.
Der Name kommt aus dem Englischen und lehnt sich an ein echtes Führungsgremium an. Gemeint ist aber kein Ersatz für einen realen Beirat oder Aufsichtsrat, sondern ein Prompting-Format, das Rollen-Prompting mit einer Debatten-Phase kombiniert. Fachlich zählt es zur Familie der Multi-Perspektiven-Prompts, geht aber über einfaches Tree-of-Thought-Prompting hinaus, weil die Personas nicht nur parallel Optionen aufzeigen, sondern aufeinander reagieren.
Multi-Perspektiven-Prompts ist der Oberbegriff für alle Prompts, die mehr als eine Sichtweise erzeugen, dazu zählt auch Tree-of-Thought. Tree-of-Thought lässt die KI mehrere Lösungswege parallel durchdenken und am Ende bewerten, die Wege selbst reagieren aber nicht aufeinander. Beim Board-of-Directors-Format reagieren die Personas in der Debatten-Phase direkt auf die Position der anderen, das ist der Unterschied: nicht nur parallele Bewertung, sondern echte Reibung zwischen den Sichtweisen.
Für dich als Eventprofi heißt das konkret: Du legst vorab fest, welche Blickwinkel bei deiner Entscheidung wirklich zählen, zum Beispiel Finanzen, Zielgruppe und Marke. Diese Blickwinkel lässt du in der KI gegeneinander antreten. Am Ende steht keine Meinungssammlung, sondern eine Empfehlung mit benannten Risiken.
So läuft dein Board-of-Directors-Prompt in drei Phasen ab
Ein Board-of-Directors-Prompt läuft in drei klar getrennten Phasen ab. Jede Phase hat eine eigene Aufgabe, keine übernimmt die einer anderen.Einzelstimmen
Jede Persona bezieht kurz Position. Drei bis fünf Sätze reichen, keine Höflichkeitsfloskeln, kein Abwägen zwischen zwei Seiten.
Debatte
Die Personas reagieren direkt aufeinander. Widersprüche werden benannt und stehen bewusst nebeneinander, kein Konsens-Brei.
Empfehlung
Die Debatte wird verdichtet auf konkrete To-dos, echte Risiken und einen mutigen, klar begründeten Move.
Du gibst diese drei Phasen der KI als festen Rahmen vor. Ohne diese Vorgabe rutscht die KI zurück in eine einzelne, glatte Antwort.
Was ein "KI-Prompt für Entscheidungen" kann und was nicht
Das Format des Board of Directors ist kein Zaubertrick. Es strukturiert eine bestehende Ressource, dein Wissen und das der KI. Es erschafft jedoch kein neues Wissen.
Das kann ein Board-of-Directors-Prompt:
- Blinde Flecken aufdecken: Unterschiedliche Denkrahmen prüfen dieselbe Frage aus verschiedenen Winkeln. Das zeigt Aspekte, die du allein übersehen hättest.
- Entscheidungen vorbereiten: Bei Faktoren, die gegeneinander abgewogen werden müssen, macht das Format die Trade-offs sichtbar. Z.B. wenn du Preise gegen Positionierung und gegen Kapazität abwiegen willst.
- Als Sparringspartner dienen: Vor einer wichtigen Entscheidung testest du deine eigene Position gegen mehrere kritische Stimmen, bevor echte Stakeholder sie infrage stellen.
Das kann ein Board-of-Directors-Prompt nicht:
- Fehlende Daten ersetzen: Ohne Zahlen und Fakten zu deiner Situation liefert das Board nur Meinungen in verteilten Rollen, keine Substanz.
- Echte Interessenkonflikte simulieren: Es bleibt ein einzelnes Modell, das Perspektiven nachbildet. Unabhängige Urteile entstehen dabei nicht.
- Dir die Entscheidung abnehmen: Das Format strukturiert die Abwägung. Treffen solltest du sie weiterhin selbst.
So läuft dein KI-Prompt für Entscheidungen im Eventalltag konkret ab
Diese Theorie hilft dir wenig ohne Praxisbezug. Hier sind drei Situationen, in denen ein Board-of-Directors-Prompt eine echte Entscheidung vorbereitet, statt nur Ideen zu sammeln.
Ticket-Preisstufen
Du entscheidest zwischen Einstieg, Premium und Exklusiv. Eine Vertriebs-Persona pusht auf Reichweite, eine Finanz-Persona auf Marge. Der Widerspruch zeigt dir, wo deine echte Prioritätengrenze liegt.
Sponsoring-Paket-Zuschnitt
Ein Logopaket ist schnell verkauft, aber austauschbar. Eine Positionierungs-Persona hält dagegen. Sie verlangt ein echtes Erlebnis statt eines Namens auf einem Banner. Das bleibt in Erinnerung.
Ein großes Event oder mehrere kleine
Eine Kapazitäts-Persona drängt auf ein Flaggschiff-Event, weil ein Team es fokussiert stemmen kann. Eine Kunden-Persona hält dagegen. Mehrere kleine Formate halten den Kontakt übers Jahr lebendig. Das zahlt sich langfristig aus.
So baust du dein eigenes Board of Directors in vier Schritten auf
Mit diesen vier Schritten machst du aus der Theorie einen einsatzbereiten Prompt.
Schritt 1: Personas wählen.
Du gibst der KI dein Themenfeld vor und lässt sie sechs bis zehn passende Personas vorschlagen. Oder du wählst sie selbst aus. Beides funktioniert. Wichtig ist nicht, wer die Auswahl trifft, sondern dass jede Persona einen klaren fachlichen Fokus erhält. Z.B. Strategie, Zahlen, Vertrieb oder Positionierung und eine erkennbare Denkweise statt reiner Allgemeinplätze.
Schritt 2: Redundanz vermeiden.
Baust du zwei Personas mit ähnlichem Fokus ein, erzeugst du Konsens statt Reibung. Das bringt dir nichts. Faustregel: Deine Personas sollten sich in mindestens der Hälfte der Fälle widersprechen können. Denken alle in dieselbe Richtung, bringt dir das ganze Format nichts.
Schritt 3: Spielregeln definieren.
Diese Regeln legst du einmal fest, danach gelten sie für jede künftige Frage an dein Board. Du bestimmst Sprache und Tonalität, zum Beispiel Du-Form und ohne Floskeln. Du legst fest, dass nur echte Grundsatzentscheidungen das volle Drei-Phasen-Format durchlaufen. Und dass bei kleinen Fragen eine kurze Antwort reicht. Außerdem baust du eine Abkürzung ein, mit der du gezielt nur eine Persona ansprichst. Zum Beispiel "Nur die Finanz-Persona dazu". So brauchst du nicht das ganze Board starten. Und du weist die KI an, bei fehlendem Kontext nachzufragen, statt zu raten.
Schritt 4: Copy-Paste-Prompt.
Diesen Prompt kopierst du direkt, vollständig einsatzbereit. Du ersetzt nur die Klammer-Platzhalter mit deinen eigenen Personas und deiner Fragestellung.
Mein Board of Directors:
Ich arbeite selbst mit einem Board aus acht Personas, darunter Peter Thiel, April Dunford, Warren Buffett, Jason Fried, Elena Verna, Bob Moesta, Seth Godin und Harvey Specter. Die Auswahl kam ursprünglich als KI-Vorschlag, ich habe sie danach an mein Business und Blog angepasst. Was mir die einzelnen Stimmen in konkreten Sessions raten, bleibt natürlich mein internes Arbeitsmaterial. Die Personas selbst sind aber ein austauschbares Setup, das sich auf viele andere Themen und Branchen übertragen lässt.

Du simulierst ein Board of Directors aus sechs Expert·innen-Personas für [DEIN UNTERNEHMEN ODER PROJEKT]. Dieses Board begleitet mich dauerhaft, sowohl bei einzelnen Entscheidungen als auch bei grundsätzlichen Business-Fragen. Aktuelles Thema oder aktuelle Frage: [DEIN THEMA ODER DEINE FRAGE].
Die Personas sind: [PERSONA 1, FACHFOKUS], [PERSONA 2, FACHFOKUS], [PERSONA 3, FACHFOKUS], [PERSONA 4, FACHFOKUS], [PERSONA 5, FACHFOKUS], [PERSONA 6, FACHFOKUS].
Gehe in drei Phasen vor:
Phase 1, Einzelstimmen: Jede Persona bezieht in drei bis fünf Sätzen Position, ohne Höflichkeitsfloskeln.
Phase 2, Debatte: Die Personas reagieren aufeinander, benennen Widersprüche offen, kein Konsens-Brei.
Phase 3, Empfehlung: Verdichte die Debatte zu konkreten To-dos, den größten Risiken und einem mutigen Move.
Sprache: Du-Form, direkt, ohne Floskeln. Wenn dir Kontext fehlt, frag aktiv nach, statt zu raten.
Typische Fehler bei deinem KI-Prompt für Entscheidungen
- Zu viele Personas: Ab zehn Stimmen wird es unübersichtlich. Du liest dann einen Textblock statt eine klare Debatte.
- Zu ähnliche Personas: Zwei Stimmen mit demselben Fokus bestätigen sich gegenseitig. Reibung bleibt aus, obwohl du sie eigentlich brauchst.
- Keine echten Daten: Ohne Zahlen zu deiner Situation liefern dir die Personas nur Meinungen. Du fütterst das Board vorher am besten mit deinen wichtigsten Fakten.
- Blindes Vertrauen in die Empfehlung: Das Board bereitet deine Entscheidung vor. Es trifft sie nicht für dich. Die Verantwortung bleibt bei dir.
- Debatten-Phase überspringen: Ohne die zweite Phase rutscht die KI zurück in eine glatte, abgewogene Antwort. Genau das ist das Problem, das dieses Format eigentlich lösen soll.
Fazit
Eine einzelne KI-Antwort reicht für die Kaffeepause. Für eine Grundsatzentscheidung reicht sie nicht. Mit einem Board-of-Directors-Prompt holst du dir stattdessen echte Reibung ins Gespräch, bevor du eine Preisstruktur, ein Sponsoring-Paket oder eine Budget-Entscheidung festlegst. Das Format ersetzt keine Daten und keine Verantwortung. Es zeigt dir aber die blinden Flecken, die eine glatte Antwort dir sonst verschweigt. Bau dir dein eigenes Board mit dem Prompt aus diesem Beitrag. Teste es an einer echten Entscheidung und schärfe die Personas danach nach.
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Was ist ein Board-of-Directors-Prompt?
Wie viele Personas braucht ein gutes Board?
Kann eine KI die Personas selbst vorschlagen?
Ersetzt ein Board-of-Directors-Prompt eine echte Geschäftsführung oder einen Beirat?
Für welche Event-Entscheidungen eignet sich das Format am besten?
