Morgens wusste ich nicht, wie man ein Terminal öffnet. Abends hatte ich eine Landingpage und ein interaktives Tool live – gebaut mit Claude Code, einem KI-Assistenten, der Programmcode für dich schreibt. In diesem Beitrag nehme ich dich mit durch meinen Tag: von der ersten Installation, über die typischen Hürden bis zum fertigen Produkt. Nicht als Tech-Tutorial für Entwickler·innen, sondern als Erfahrungsbericht aus Sicht einer Event- und Marketing-Managerin, die wissen wollte, was sie ohne Programmierkenntnisse wirklich selbst bauen kann.

TL;DR: Mit Claude Code und einem Claude-Pro-Account kannst du eigene Tools und Landingpages erstellen – ohne eine Zeile Code selbst zu schreiben. Voraussetzung: Du bringst dein Event-Fachwissen ein. Die KI liefert die Technik, du lieferst den Inhalt. Das spart keine Denkarbeit, aber viel Entwickler-Zeit.
Was ich mit Claude Code gebaut habe:
1. Warum ich mir Claude Code überhaupt angeschaut habe
Ich wollte einen Chatbot für micestens-digital.de bauen. Einen, der Fragen zu meinen Angeboten beantwortet, Termine qualifiziert und im Idealfall auch Leads generiert. Meine ersten Recherchen führten mich zu fertigen No-Code-Lösungen wie Tidio, Zapier oder Chatbase – alles machbar, aber austauschbar. Und mein eigentlicher Wunsch war: Ich will verstehen, was technisch möglich ist, wenn ich selbst an den Stellschrauben drehe.
Genau da kam Claude Code ins Spiel. Anthropic (die Firma hinter Claude) hat neben dem bekannten Chatbot auch einen KI-Assistenten für Entwickler·innen im Angebot. Der Unterschied zu einem normalen Chat: Claude Code arbeitet direkt auf deinem Computer. Es liest Dateien, schreibt neue, führt Befehle aus. Du beschreibst in normaler Sprache, was du willst – die KI baut es.
Für mich klang das nach dem richtigen Experimentierfeld, weil ich sowieso gerade an meinem neuen Angebot „KI im Eventmanagement" arbeite und wissen wollte: Was ist wirklich drin, wenn eine Fachexpertin ohne Coding-Hintergrund loslegt?
2. Das brauchst du, bevor du loslegst
Bevor ich über den Tag erzähle, die ehrliche Voraussetzungen-Liste. Damit du nicht nach drei Stunden feststellst, dass dir was fehlt:
- Claude Pro-Account (ca. 180 Euro/Jahr). Claude Code ist in diesem Plan enthalten. Prüfe die aktuellen Preise direkt bei claude.ai.
- Ein Mac oder Windows-PC mit ein paar GB freiem Speicher.
- Node.js – eine kostenlose Basis-Software, die Claude Code als Unterbau nutzt. Download bei nodejs.org.
- VS Code – ein kostenloser Code-Editor von Microsoft, um deine Dateien übersichtlich zu sehen. Download bei code.visualstudio.com. Alternativ reicht auch das Terminal deines Betriebssystems.
- Einen halben bis ganzen Tag Zeit für deinen ersten Versuch.
- Eine Idee, was du bauen willst – idealerweise klein genug, um an einem Tag fertig zu werden.
Was du nicht brauchst: Programmierkenntnisse. Kein HTML, kein JavaScript, nichts. Ehrlich.
So sieht die fertige Landingpage aus: mit-ki.micestens-digital.de/ki-im-eventmanagement

3. Installation – das Terminal ist nicht gruselig
Der erste Hürdentag-Moment war für mich: das Terminal öffnen. Für Nicht-Entwickler·innen wirkt dieses schwarze Fenster mit Cursor wie ein Relikt aus den 90ern. Tatsächlich ist es aber nichts anderes als eine Texteingabe für deinen Computer. Statt Buttons klickst du, tippst du Befehle.
Auf dem Mac öffnest du es über Spotlight (Cmd + Leertaste) → „Terminal" eingeben → Enter. Auf Windows heißt es „PowerShell" und funktioniert über die Windows-Suche.
Die Installation von Claude Code läuft dann in zwei Schritten:
- Node.js installieren (einfacher Doppelklick-Installer von nodejs.org)
- Im Terminal diesen Befehl eingeben: npm install -g @anthropic-ai/claude-code
Zwei Minuten später ist Claude Code installiert. Mit dem Befehl claude startest du es in einem beliebigen Ordner, loggst dich per Browser in deinen Pro-Account ein. Fertig.
Mein Aha-Moment: Das Terminal ist wirklich nicht gruselig. Es tippt nichts von allein, es startet nichts ungefragt, es ist geduldig. Nach zehn Minuten hatte ich das Gefühl, dass ich's im Griff habe.

4. Mein erstes Projekt: Warum der erste Versuch scheiterte
Ich wollte einen Event-Checklisten-Generator bauen. Nutzer·innen geben Event-Typ, Teilnehmerzahl und Vorlaufzeit ein, bekommen eine personalisierte Checkliste. Klingt sinnvoll, oder?
Ich gab Claude Code eine Beschreibung und es lieferte nach einer Minute eine funktionierende HTML-Datei. Optisch: okay. Technisch: funktioniert. Inhaltlich war es einfach nur peinlich.
Die Checkliste warf z.B. „Messe" als Event-Typ in einen einzigen Topf. Ob ich als Aussteller·in mit einem 8-qm-Stand teilnehme oder als Veranstalter·in eine Fachbesuchermesse für 2.000 Personen organisiere, war für die KI dasselbe. Für jede Eventmanagerin mit Praxiserfahrung: ein Offenbarungseid.
Die Lektion war sofort klar: KI kann fachliches Gerüst liefern, aber keine fachliche Tiefe. Meine erste Reaktion war, die Rolle als zusätzliche Abfrage zu ergänzen. Meine zweite, bessere Reaktion: Das ganze Konzept überdenken. Eine vollständige Eventcheckliste wird immer für irgendwen falsch sein. Denn jede Messe ist anders, jede Firma macht es anders. Stattdessen konzipierte ich das Tool um: Kein Checklisten-Generator, sondern ein Stolperfallen-Check. Ehrlich in dem, was er ist: Keine Vollständigkeitsgarantie, sondern die Punkte, an die viele zu spät denken.
Für diesen Check habe ich dann selbst 15 Stolperfallen aus fast 30 Jahren Branchenerfahrung formuliert – mit meinen Worten, meinem Ton, meiner Perspektive. Claude Code baute das technische Gerüst drumrum: Quiz-Logik, Fortschrittsbalken, Ergebnisseite, PDF-Druck.
Erkenntnis: Der Wert des Tools liegt zu 80 % in meinen 15 Stolperfallen. Die restlichen 20 % ist Technik, die Claude Code erledigt hat. Das ist die richtige Arbeitsteilung.
So sieht die fertige Messe-Checkliste für Aussteller aus: mit-ki.micestens-digital.de/checkliste-aussteller

5. Von der Idee zum Live-Tool – so geht’s mit Claude Code
Den Tag über ist so einiges passiert. Hier die Kurzfassung, damit du ein Gefühl für das Arbeitstempo bekommst:
- Morgens: Setup, Installation, erster Prompt → funktionierende HTML-Datei
- Mittags: Inhaltliches Neudenken, eigene Stolperfallen sammeln, zweite Iteration
- Nachmittags: Design-Feintuning, Links einsetzen (Newsletter, Calendly), Datenschutz-Hinweise
- Später Nachmittag: Subdomain mit-ki.micestens-digital.de bei meinem Hoster einrichten, SSL-Zertifikat aktivieren
- Abends: Dateien per FTP hochladen, Live-Test, fertig
Der Teil, den ich unterschätzt habe: Das Strukturieren von Dateien und Ordnern. Als ich neben dem Tool auch eine neue Landingpage auf die gleiche Subdomain bringen wollte, kam das erste echte Chaos. Claude Code hat mir aber geduldig durch jeden Umbau geholfen – Verzeichnisse angelegt, Dateien verschoben, Pfade korrigiert. Wie? In dem ich immer wieder Screenshots mit den Fehlermeldungen oder mit dem, was ich im Finder sehe, in Claude reingegeben habe. Mein Job war: entscheiden, was wohin gehört. Das ist Strategie, nicht Technik.
Den Part mit dem Veröffentlichen, Subdomain einrichten, SSL aktivieren, FTP-Upload, streife ich hier nur kurz. Denn das hängt stark von deinem Hosting-Anbieter ab. Ich nutze InternetWerk, aber bei 1&1, Strato oder All-Inkl läuft das jeweils anders. Die Grundstruktur ist aber immer gleich: Subdomain anlegen, SSL-Zertifikat aktivieren (meist Let's Encrypt, kostenlos), Dateien per FTP hochladen. Wenn du an dem Punkt unsicher bist: Der Support deines Hosters macht die Einrichtung häufig gegen kurze E-Mail kostenfrei für dich.

6. Das lief beim Claude-Projekt nicht glatt – und was ich daraus gelernt habe
Damit du keine rosa Brille aufsetzt: Es lief nicht alles reibungslos. Drei typische Stolperfallen, die dich auch erwarten können:
Die KI erfindet Dinge. Claude Code ist gut, aber nicht perfekt. Bei meiner ersten Messe-Checkliste hat es munter Aufgaben generiert, die fachlich daneben waren. Wenn du kein Fachwissen hast, um das zu prüfen, merkst du's nicht.
Strukturentscheidungen musst du selbst treffen. Soll die Landingpage im Wurzelverzeichnis liegen oder im Unterordner? Wie sollen URLs aussehen? Was gehört in welche Datei? Die KI kann Optionen vorschlagen, aber entscheiden musst du.
Jede Iteration braucht Urteilsvermögen. Claude Code liefert dir Vorschläge. Ob sie gut sind, merkst du erst, wenn du sie ausprobierst, ansiehst, bewertest. Wer einfach alles durchwinkt, bekommt ein mittelmäßiges Produkt.
So sieht die neue Subdomain für weitere Experimente und Tools aus: mit-ki.micestens-digital.de

7. Was das Claude Code Experiment für dich als Eventprofi bedeutet
Nach diesem Tag bin ich überzeugt: KI-Coding-Tools wie Claude Code sind nicht nur für Entwickler·innen. Sie sind für alle, die eine Idee haben und nicht warten wollen, bis jemand Zeit, Budget und Verständnis dafür hat. Gerade für Eventmanager·innen eröffnen sich damit Möglichkeiten, die vorher Agentur-Budget gekostet haben:
- Eigene Event-Landingpages, zugeschnitten auf ein spezifisches Event – ohne Template-Look.
- Interaktive Tools als Lead-Magnet – Check-Ups, Rechner, Konfiguratoren.
- Kleine Helfer für dich selbst – Budget-Rechner, Timeline-Generatoren, Aufgabenverteiler.
- Mini-Microsites für Teilnehmer·innen, mit Zeitplan, Wegbeschreibung, FAQ.
Dabei ersetzt Claude Code natürlich keine echten Event-Management-Systeme und auch keine komplexen Anwendungen mit Datenbanken und Nutzerlogins. Aber für statische, interaktive Webtools ist der Einstieg niedriger als je zuvor.
Fazit: KI ersetzt kein Fachwissen – aber sie nimmt die Technik aus dem Weg
Mein wichtigster Take-away nach diesem Tag: Claude Code hat mir nicht das Denken abgenommen. Es hat mir die Technik abgenommen. Ich musste immer noch wissen, was ich bauen will, für wen, warum, mit welcher Botschaft. Ich musste die Inhalte liefern und zwar fachlich präzise. Ich musste Entscheidungen über Struktur, Ton, Design, URL-Architektur treffen.
Aber: Ich habe keine Zeile Code getippt. Und am Abend war etwas live. Das wäre vor drei Jahren undenkbar gewesen.
Für mich ist das der neue Modus Operandi: Fachwissen und KI als Team. Ich bringe die 30 Jahre Eventbranche mit, Claude bringt die Technik. Gemeinsam entsteht etwas, das vorher nicht möglich war – schon gar nicht an einem Tag.
Wenn du selbst mit dem Gedanken spielst, mit KI-Tools zu experimentieren: Fang klein an. Bau nicht gleich einen Chatbot. Bau erst einen Rechner, eine Checkliste, ein kleines interaktives Tool. Und gib dir die Erlaubnis, dass der erste Wurf nicht perfekt ist. Meiner war's auch nicht.
Bleib dran – im Newsletter
In meinem Newsletter teile ich regelmäßig, was ich mit KI-Tools im Eventmanagement ausprobiere. Was klappt, was nicht, welche Werkzeuge sich wirklich lohnen. Kein Hype, keine Buzzwords – nur Praxis-Erkenntnisse für Eventplaner·innen, die pragmatisch mit der neuen Technologie umgehen wollen.
7 Learnings für Eventprofis, die mit KI bauen wollen
1. Klein anfangen schlägt den großen Plan
Mein Ursprungsplan war ein Chatbot. Gut, dass daraus erst ein kleineres Tool wurde. Komplexe Projekte scheitern oft an der Lernkurve. Ein überschaubares Tool wird fertig.
2. Dein Fachwissen ist der eigentliche Wert
KI kann technisches Gerüst. Fachliche Tiefe musst du einbringen. Deine 5, 10 oder 30 Jahre Branchenerfahrung machen den Unterschied zwischen einem austauschbaren Tool und einem, das Nutzen stiftet.
3. Sei spezifisch in deinen Anweisungen
„Mach das schöner" ergibt nichts. „Nimm ein wärmeres Terrakotta, reduziere die Headline auf 40 Pixel, verschiebe den Button ins Zentrum" liefert Ergebnisse. Je präziser du beschreibst, desto besser das Resultat.
4. Rechne mit Iteration
Der erste Wurf ist selten der finale. Plane Zeit für zwei, drei Runden ein. Jede Iteration verbessert das Ergebnis – wenn du bewusst hinschaust und Feedback gibst.
5. Prüfe fachlich, immer
KI erfindet Dinge. Was sie dir vorschlägt, kann plausibel aussehen und trotzdem falsch sein. Du bist die Fachexpertin – du urteilst.
6. Trenne Technik und Inhalt
Lass die KI Technik machen, liefere du den Inhalt. Wenn du das umdrehst, hast du am Ende generische Inhalte und überraschende Technik-Probleme.
7. Dokumentiere, was du lernst
Mach dir Notizen beim Ausprobieren: Welche Prompts funktionieren? Welche Fehler sind typisch? So wird jedes nächste Projekt schneller und besser.
Praxis-Tipp: Wenn du Claude Code zum ersten Mal ausprobierst, nimm dir nicht mehr als drei Stunden für den Einstieg. Danach reflektierst du: Was lief, was nicht? Der zweite Anlauf am nächsten Tag ist immer produktiver als der erste, wenn du durchpowern willst.
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