Marketing für Medizinkongresse oder warum Ärzte nicht twittern

Rate this post

Was in anderen Branchen Gang und Gäbe ist, funktiniert bei Medizinkongressen irgendwie nicht. Während viele Veranstalter die Online-Marketingtools rauf und runter bedienen, scheint im Marketing für Medizinkongresse die Zeit stehen geblieben zu sein. “Ärzte twittern eben nicht.” Und in den anderen Sozialen Medien sind sie auch nicht, oder? Ich hab mich das auch schon des Öfteren gefragt. Deshalb habe ich einmal direkt bei der Zielgruppe nachgefragt. Getreu dem Motto: “Sprich mit deinen Kunden – nicht über deine Kunden.” Die folgenden Fragen hat mir eine Zahnärztin beantwortet. Sie absolviert zur Zeit eine Weiterbildung.

Zahnärztin

Sag mal, wie oft bist du ungefähr in den letzten Jahren auf medizinischen Fortbildungen wie Kongressen und Seminaren gewesen?

Ich schätze, ich bin mindestens 15 bis 20 mal pro Jahr auf medizinischen Fortbildungen unterwegs. Das ist bestimmt deutlich über dem Durchschnitt, denn ich absolviere gerade eine Weiterbildung.

Und wie hast du von diesen Veranstaltungen erfahren?

Überwiegend per Post. Das heisst, ich erhalte Flyer, die von medizinischen Fachgesellschaften an die Praxis geschickt werden. Und ich erhalte welche an meine Privatadresse. Außerdem bekomme ich regelmäßig Post von meiner Zahnärztekammer. Die informiert mich über Veranstaltungen in Deutschland und in meinem Bundesland. Dann gibt’s noch die Flyer, die den Fachmagazinen beigefügt sind und die ich in meiner Praxis sehe. Darüber hinaus erhält jeder Zahnarzt zum Beispiel in Bayern einmal im Jahr das komplette Fortbildungsbuch. Also wirklich ein gedrucktes Exemplar. Und die Produzenten von Dentalgeräten, Instrumenten und Medikamenten senden mir auch Einladungen per Post.

Dabei will ich diese Einladungen gar nicht alle haben! Wir Ärzte kriegen Unmengen an Flyern ins Haus. Ich will gar nicht wissen, wie viel von meinen Beiträgen an die Kammer allein für Porto drauf geht. Erst neulich hab ich wieder eine Einladung zu einem Zahnärztetag fünfmal (!) erhalten. Eben von verschiedenen Absendern und an meine beiden Adressen.

Marketing für Medizinkongresse

Hast du das Gefühl, es gibt deutlich mehr spannende Veranstaltungen da draußen als du je besuchen kannst?

Oh ja! Es gibt unheimlich viele spannende Veranstaltungen. Ich schätze, mich erreicht nur ein Bruchteil davon. Diese Fortbildungen würde ich natürlich online finden. Allerdings nicht zentral und ich muss vorher wissen, wie sie konkret heißen.

Wie und wo würdest du aktiv nach Veranstaltungen suchen? Was nutzt du? Google, Facebook, Twitter, XING, LinkedIn, RSS-Feed, Snapchat, Pinterest oder Instagram?

Google nutze ich. Allerdings spreche ich mich zuerst mit meinen Kollegen ab, welche Veranstaltungen gut sind. Nach genau diesen suche ich dann auf Google. Es kommt auch vor, dass in den Flyern mal etwas Interessantes drin ist. Zum Beispiel weil ich den Redner schon immer mal hören wollte oder weil mich das Thema interessiert.

#eventprofs Empfehlungsmarketing ist King! Mediziner sprechen sich untereinander ab, welcher Kongress gut ist. Setze dann auf gutes SEO. #aerztekongresse Klick um zu Tweeten

Bist du privat in einem der oben genannten Sozialen Netzwerke aktiv?

Privat bin ich auf Facebook, allerdings lese ich dort meistens. D.h. ich schreibe selbst wenig. “Früher” als Facebook noch ein rein privates Netzwerk war, war ich dort aktiver. Mittlerweile ist mir dort zu viel Werbung.

Bei Instagram bin ich ebenfalls, dort folge ich wirklich nur privaten Interessen. Zum Beispiel rund um Fitness. Dabei fällt mir auf, dass es in letzter Zeit viele junge Zahnärzte gibt, die professionell auf Instagram aktiv sind.

Kongress-Marketing via Instagram

Würdest du einem Account einer medizinischen Fachgesellschaft oder Kongressagentur in den Sozialen Medien folgen?

Wenn dann einer Fachgesellschaft! Oder einem speziellen Kongress. Allerdings würde ich bestimmt nicht einem Account mit einem Themenmix folgen, der mich beruflich gar nicht interessiert. Was soll ich als Zahnärztin mit Informationen zum Rheumatologen-, Kardiologen- oder Dermatologen-Kongress?

Ich bin übrigens in der Facebook-Gruppe von Dentista. Ich schätze, dass ich dort einmal am Tag nachschaue. Denn dort erhalte ich für mich relevante Informationen. Ab und zu taucht dort auch eine interessante Veranstaltung auf. Dentista hat sich auf die Zielgruppe Frauen und deren Themen spezialisiert. Klar, dass mich das anspricht, oder?

Social-Media für Medizinkongresse

Wann würdest du meinen Kongress-Newsletter abonnieren?

Wenn sie spannender und unterschiedlicher wären. Früher hatte ich einige Newsletter abonniert. Die habe ich jedoch alle wieder abbestellt, weil sie mich nicht fesseln konnten. Schön wäre, wenn das Layout ansprechender oder wenn der Inhalt spannender wäre. Zum Beispiel neue Geräte, neue Materialien oder neue Therapien. Aber das bitte innovativ und authentisch präsentiert. Newsletter mit einer endlosen Liste von Terminen interessieren mich schlichtweg nicht.

Einen Newsletter, der mir wirklich etwas bringt, würde ich abonnieren. Oder wenn ich besondere Angebote durch diesen Newsletter erhalte. Außerdem wünsche ich mir unterschiedliche und relevante Themen. Zum Beispiel wie bei Dentista. Es gibt leider immer noch viel zu wenig Interessantes für Frauen. Dabei gibt es immer mehr Frauen auch in der Zahnmedizin. Und die haben ganz andere Probleme in ihrem Alltag Z. B. wie kann ich mit Familie eine Praxis gründen?

Außerdem wünsche ich mir einen Newsletter, der auch auf meinem Smartphone gut aussieht und leicht lesbar ist.

#eventprofs >Einen Newsletter, der mir wirklich etwas bringt, würde ich abonnieren. Es gibt leider immer noch viel zu wenig Interessantes für Frauen. < #medizinkongresse Klick um zu Tweeten

Event-Newsletter | Inhaltstipps

Und warum twittern Ärzte nicht?

Hm, gute Frage. Ich glaube, die Medizin als solche ist so sehr verschult – also schon im Studium. Das ganze Umfeld in Fachgesellschaften, Kammern, Universitäten & Co. ist so old school. Die meisten klingen als würde ich mich mit meinem Opa unterhalten … und deshalb twittern wir nicht.

Allerdings tut sich momentan einiges. Die Jüngeren, die sich selbständig gemacht haben, sind mittlerweile auch auf Facebook und Instagram vertreten.

#eventprofs Ärzte twittern nicht, aber sie sind immer aktiver auf Facebook und vor allem Instagram. Das ist (d)eine Chance für dein Kongressmarketing. #pharmakongresse Klick um zu TweetenFrontalbeschallung und Schule bei Medizinern

Wie fändest du es, wenn ich dir Einladungen per WhatsApp sende?

Das wäre mir ehrlich gesagt nicht so recht. Ich finde es gut, wenn WhatsApp privat bleibt. So wie bei Facebook. Ich fand es wirklich komisch, dass sich dort plötzlich Privates und Werbliches gemischt hat. Seit dem bin ich dort weniger aktiv.

Sag mal, wer finanziert denn in der Regel deine Teilnahmen?

Bei mir ist es erfreulicherweise meistens der Arbeitgeber. Ich kenne andere Zahnärzte, die all ihre Fortbildungen selbst zahlen.

Wann ist eine Veranstaltung für dich spannend?

Mich interessieren besonders die Themen und die Referenten. Wenn ich die Fortbildung selbst zahle, ist auch der Preis relevant. Außerdem fahre ich natürlich gern zu Fortbildungen an schönen Orten. Zum Beispiel Nordsee oder Berge oder auch Berlin und Hamburg. Ein gutes Rahmenprogramm find ich auch wichtig. Zum Beispiel eine Bootsfahrt mit Buffet und Lasershow, mit Musik und Foto-Booth.

Ich find’s gut, wenn ich auf diesen Fortbildungen auch mit meinen Branchenkollegen feiern kann. Die Welt der Zahnärzte ist nicht so groß und irgendwann kennt man sich. Die Chancen zum Networken und Spaß haben sind also super wichtig. Gala-Abende, auf denen ich wirklich tanzen kann sind auch gut. Besonders liebe ich den Europapark Rust! Da kann ich zwischendurch immer mal wieder Achterbahn fahren. Echt irre Location! Außerdem haben die super gute Köche dort.

Rahmenprogramm Achterbahnfahrt Europapark Rust für Medizinkongresse

Medizinkongresse sind häufig frontale Veranstaltungen. Also einer spricht und viele im Saal hören zu. Das hat sich so etabliert. Fändest du neue interaktive Formate spannend? Würdest du aktiv in einer Session mitmachen wollen?

Ja, das ist leider so. Die alten Strukturen zeigen sich sowohl in der Sprache als auch in der Frontalbeschallung. Ich mag am liebsten Hands-on-Kurse, also Workshops. Wichtig ist, dass der Redner wirklich langsam die neuen Themen vermittelt statt die Hochglanz-Slides im Akkord an die Wand zu werfen. Und dann möchte ich das neu Erlernte im Detail ausprobieren. Also wirklich üben. Das bringt mir viel mehr als diese Hochglanzfolien, die ich in meinem Alltag nicht umsetzen kann. Fortbildungen, die nur frontale Vorträge haben, meide ich mittlerweile.

Medizinkongresse mit frontalen Vorträgen

Übrigens bin ich ein Riesenfan von Webinaren! Da muss ich nicht hinfahren und spare so viel Zeit und kann mir diese in meiner Mittagspause ansehen. Das Beste daran: Ich kann zurückspulen, wenn mir etwas zu schnell ging.

Ja, ich würde mich einbringen. Vor allem dann, wenn die Themen interessant sind. Also beispielsweise die, die von Dentista aufgegriffen werden. Was den Fortbildungen für Ärzte heute total fehlt ist der Austausch untereinander. Typischerweise werden wir da frontal beschallt und alle zwei Stunden gibt’s ne Pause mit abgestandenem Filterkaffee aus Thermoskannen. Ich frage mich wirklich, warum das so wenige auf die Reihe bekommen: Guten Kaffee auch auf unseren Kongressen.

#eventprofs Setze mehr Webinare und Workshops bei der Wissensvermittlung ein. Frontal ist out. Auch bei Medizinern. #medizinkongresse Klick um zu Tweeten #eventprofs Auch Mediziner wollen guten Kaffee in der Pause. Damit würdest du dich deutlich von der Masse der medizinischen Fortbildungen abheben. 😉 #pharmakongresse Klick um zu Tweeten

Hast du einen Wunsch an die Veranstalter von medizinischen Fortbildungen?

Ich wünsche mir mehr Fortbildungen, die aufeinander aufbauen und wirklich Wissen vertiefen. Also mehr Fortbildungsreihen statt in einzelne Themen hineinschnuppern.

Außerdem fänd ich es super, wenn das Rahmenprogramm auch mehr auf jüngere Leute ausgelegt wäre. Bislang sind die ja für ältere Mediziner gedacht: Dinner, Gala-Abend etc. Wären Abend- und Rahmenprogramm lockerer, könnte auch ich mal meinen Partner mitbringen.

Darüber hinaus wünsche ich mir auch mal Frauen auf der Bühne. Es gibt so viele gute Zahnärztinnen, die ich gern einmal hören würde.

#eventprofs Bringt auch bei den Ärztekongressen Frauen auf die Bühne. Es gibt hervorragende da draußen. #pharmakongress Klick um zu Tweeten

Frauen auf die Bühne auch bei Medizinkongressen

Fazit:

Mediziner twittern nicht, aber Zahnärzte sind immer häufiger auf Instagram aktiv. Und sie würden deine Newsletter abonnieren – wenn diese spannend, leicht lesbar und mit Google auffindbar wären. Außerdem könntest du auch mit Webinaren Ärzte an dich und deine Medizinkongresse binden.

Hast du gewusst, dass es auch auf Instagram schon Influencer im medizinischen Bereich gibt?

Marie-Luise Klietz hat 95.000 Abonnenten auf Instagram. Und das macht sie offensichtlich richtig gut. Wenn du einen Anknüpfungspunkt für dein Influencer Marketing im medizinischen Bereich suchst – da würd ich mal nachfragen. 😉

Und wenn’s internationaler sein soll, weiss bestimmt Dr. Mike weiter. Er hat inzwischen 2,5 Mio. Abonnenten auf Instagram.

Möchtest auch du die Ärzte für deine Medizinkongresse auf Instagram erreichen? Dann baue dort einen Kanal zu einem spezifischen Thema auf. Am besten als Fachgesellschaft oder im Namen der Fachgesellschaft. Jedoch bestimmt nicht mit Postings vom Standaufbau oder dem Registrierungscounter. Sondern mit den Themen, die deine Ärzte in ihrem Berufsalltag interessieren. Dazu gehören auch Soft-Skill-Themen oder Work-Life-Balance.

#eventprofs Influencer-Marketing für Ärztekongresse ist eine enorme Chance. Vor allem auf Instagram. #pharmakongresse Klick um zu Tweeten

PS: Natürlich ist das nur eine einzelne Meinung, allerdings mit spannenden Erkenntnissen. Hier geht es zu dem anderen Interview zum Thema medizinische Fortbildungen. Und eine umfangreiche Studie dazu kann jemand anderes anfertigen. 😉

Marketing für Medizinkongresse oder warum Ärzte nicht twittern

2 Gedanken zu „Marketing für Medizinkongresse oder warum Ärzte nicht twittern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.