Viele Unternehmen funken permanent auf dem Wir-Sender.
Kund·innen hören aber auf dem Was-hab-ich-davon-Kanal.
Und der ist verdammt selektiv.

Typische „Wir“-Formulierungen, die keiner braucht
Hier ein paar Klassiker, die dir sicher bekannt vorkommen:
- „Wir sind Marktführer in …“
- „Wir erweitern unser Portfolio.“
- „Wir investieren in innovative Technologien.“
- „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können …“
- „Wir haben unsere Plattform optimiert.“
- „Unsere Vision ist es …“
- „Unsere Mission ist …“
- „Wir wachsen weiter.“
- „Wir setzen neue Maßstäbe.“
- „Wir bauen unser Partnernetzwerk aus.“
- „Wir präsentieren voller Stolz …“
- „Wir freuen uns auf Ihren Besuch an unserem Stand.“
Und mein Liebling:
„Wir haben unser Event auf ein neues Level gehoben.“
Aha. Schön für euch.
Aber was bringt mir das konkret?
Warum die richtige Formulierung so entscheidend ist
Marketing ist kein Tagebuch.
Niemand liest deine Botschaft, um mehr über dein Unternehmen zu erfahren.
Menschen lesen, weil sie ein Problem haben. Oder ein Ziel.
Die richtige Formulierung entscheidet über:
Aufmerksamkeit
Leser scannen. Sie fragen unbewusst:
- Betrifft mich das?
- Löst es mein Problem?
- Spart es mir Zeit, Geld, Nerven?
Eine „Wir“-Botschaft beantwortet diese Fragen nicht.
Relevanz
„Wir haben ein neues Feature.“
Okay. Und?
Besser:
„Du sparst bei der Teilnehmerregistrierung jetzt 30 Minuten pro Event.“
Plötzlich wird es konkret.
Conversion
Menschen kaufen keinen Funktionsumfang.
Sie kaufen:
- Sicherheit
- Zeitersparnis
- weniger Stress
- bessere Ergebnisse
- mehr Wirkung
Wenn du nur über dich sprichst, verschenkst du Wirkung.
Wie du es als Marketingprofi besser machst
Die Lösung ist simpel. Aber unbequem.
Übersetze Features in Nutzen
Nicht:
„Wir haben eine neue Check-in-Funktion integriert.“
Sondern:
„Deine Gäste sind in Sekunden eingecheckt – ohne Warteschlange.“
Feature = Technik.
Nutzen = Ergebnis.
Und Ergebnisse verkaufen.
Stell Fragen
Fragen holen Leser rein und zwingen zum Mitdenken.
- „Wie viel Zeit verlierst du aktuell im Teilnehmermanagement?“
- „Willst du weniger No-Shows bei deinem nächsten Event?“
- „Suchst du eine Lösung, die ohne Excel-Chaos funktioniert?“
Schreib aus der Perspektive der Zielgruppe
Dreh jeden Satz um.
Statt:
„Wir stellen unsere neuen Keynote-Speaker vor.“
Besser:
„Diese Speaker liefern deinem Publikum echte Aha-Momente.“
Oder noch stärker:
„So begeisterst du dein Publikum – ohne auf Standard-Vorträge zu setzen.“
Streiche Ego-Sätze radikal
Test:
Zähle, wie oft „wir“, „uns“, „unser“ vorkommt.
Wenn es mehr ist als „du“, „Sie“, „Ihr“ → Alarm.
Was Eventmanager·innen besonders beachten sollten
Typische Event-Kommunikation gegenüber den Teilnehmenden sieht oft so aus:
- „Wir haben ein inspirierendes Programm zusammengestellt.“
- „Wir freuen uns auf hochkarätige Speaker.“
- „Wir bieten spannende Networking-Möglichkeiten.“
- „Wir schaffen eine einzigartige Atmosphäre.“
Klingt nett. Sagt nichts.
Was sich Teilnehmende vor einem Eventbesuch fragen:
- Lohnt sich die Reisezeit?
- Rechtfertigt das den Ticketpreis?
- Treffe ich dort relevante Kontakte?
- Gehe ich mit konkretem Mehrwert nach Hause?
- Hilft mir das beruflich weiter?
Beispiel für Misskommunikation
„Wir präsentieren 20 Top-Speaker aus der Branche.“
Teilnehmer-Gedanke:
„Okay. Und was nehme ich konkret mit?“
Besser:
„Du gehst mit drei umsetzbaren Strategien nach Hause, die du direkt in deinem nächsten Projekt anwenden kannst.“
Oder:
„Du triffst in zwei Tagen mehr relevante Branchenkontakte als in sechs Monaten LinkedIn.“
Das ist ein Unterschied.
Event-Kommunikation aus Sicht der Sponsoren
Hier wird es oft noch ego-lastiger.
Typische Formulierungen:
- „Wir erwarten 1.000 Besucher.“
- „Wir bieten attraktive Sponsoringpakete.“
- „Wir sorgen für hohe Sichtbarkeit.“
- „Unsere Reichweite wächst stetig.“
Sponsoren denken:
- Sind das die richtigen 1.000?
- Wie qualifiziert sind die Leads?
- Wie viel davon ist Streuverlust?
- Bekomme ich echte Gespräche – oder nur Logo-Platzierung?
Klassischer Denkfehler in der Sponsoren-Kommunikation
Eventmanager verkaufen Reichweite.
Sponsoren kaufen Relevanz.
„Ihr Logo wird prominent platziert.“
Sponsoren-Gedanke:
„Logo ist nett. Leads wären besser.“
Besser:
„Sie sprechen 80 % Entscheider·innen aus Ihrer Zielgruppe direkt vor Ort an.“
Oder:
„Sie erhalten qualifizierte Lead-Daten. DSGVO-konform und direkt nach dem Event.“
Oder noch klarer:
„Sie generieren vor Ort planbare Gespräche mit kaufbereiten Kontakten.“
Der Kernfehler in der Event-Kommunikation
Eventmanager kommunizieren häufig:
- Programm
- Location
- Speaker
- Größe
- Emotionalität
Teilnehmende und Sponsoren interessieren sich für:
- Ergebnis
- Kontakte
- Wissen
- Sichtbarkeit
- Umsatz
- Karriere
- Sicherheit
Das sind zwei verschiedene Ebenen.
Denk-Shift für dich als Eventmanager·in
Stell dir bei jeder Formulierung drei Fragen:
- Welches Problem löst mein Event für Teilnehmende?
- Welches messbare Ergebnis liefert es Sponsoren?
- Was verändert sich nach dem Event konkret?
Wenn du das nicht beantworten kannst, ist deine Kommunikation zu intern.
Nicht:
„Wir organisieren ein innovatives Branchenevent.“
Sondern:
für Teilnehmende:
„Du gewinnst relevante Kontakte und konkrete Lösungen für dein nächstes Projekt.“
für Sponsoren:
„Sie erreichen qualifizierte Entscheider – ohne Streuverlust.“
Events verkaufen kein Programm.
Sie verkaufen Transformation.
Wenn du das nicht formulierst, klingt dein Event wie jedes andere.
Mini-Check für deine nächste Werbebotschaft
Bevor du veröffentlichst, prüf:
- Geht es um mich oder um meine Zielgruppe?
- Wird ein konkretes Ergebnis genannt?
- Wird ein Problem klar benannt?
- Kann man den Nutzen messen oder fühlen?
- Würde ich das lesen, wenn ich gestresst bin?
Wenn nicht: neu schreiben.
Kurz gesagt:
Unternehmen lieben es, über sich zu sprechen.
Kunden lieben es, über sich selbst zu lesen.
Und Marketing funktioniert nur, wenn du die zweite Gruppe bedienst.
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