Kennst du dein persönliches CO2-Budget?

Ständig ist die Rede davon, dass wir sowohl als Menschheit als auch jede·r persönlich, die Emission von CO2 reduzieren müssen. Und hier und da steht dann auch, welches Event wie viel verbraucht oder eingespart hat. Aber kannst du diese Daten für dich einordnen? Was heißt es schon, wenn du eine Tonne CO2 verbraucht oder gespart hast? Und dann auch noch der Zusammenhang zwischen Tonnen und einem Gas – das alles hat mich ziemlich verwirrt. Deshalb habe ich mal recherchiert und gerechnet und stelle dir hier ein paar interessante Einsichten rund um unser CO2-Budget vor. Vielleicht hilft es auch dir, bei der Einschätzung von CO2-Verbrauch und einer nachhaltigen Lebensweise bzw. der nachhaltigen Organisation von Events.

Das klimaverträgliche CO2-Budget pro Kopf

Wie viel ist eigentlich „erlaubt“? Die Angaben hierzu variieren. Hängen sie doch zum einen vom noch verbleibenden CO2-Budget weltweit ab und zum anderen von der Entwicklung der Reduktionen. Wollen und können wir die linear oder „exponentiell fallend“ reduzieren? Trotzdem gibt’s ein paar Werte als Anhaltspunkt.

Doch was bedeutet das nun konkret? Wir müssen es in Relation setzen; sonst sagt es leider viel zu wenig aus.

Die Uhr tickt. Willst du wissen, wie viel CO2-Budget uns weltweit noch bleibt? Klicke rechts auf das 1,5 Grad Szenario und du weißt, was uns eigentlich noch bleibt. 

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Der CO2-Fußabdruck verschiedener Länder

Die Emissionen der Deutschen pro Kopf liegen, inklusive Berücksichtigung von Export und den Import von Gütern, bei circa 11,2 Tonnen CO2-Äquivalenten. Doch auch innerhalb Deutschlands gibt es eine große Spannbreite:

  • die klimafreundlichsten 10% der Bevölkerung > verbrauchen ca. 7 Tonnen CO2
  • während die klimaschädlichsten 10 % der Bevölkerung > circa 17,7 Tonnen CO2 verbrauchen

Hier noch ein paar weitere CO2-Emissionen, Quelle statista, Stand 2019:

Statistik: Energiebedingte CO2-Emissionen pro Kopf weltweit nach ausgewählten Ländern im Jahr 2019 (in Tonnen) | Statista

Der CO2-Fußabdruck verschiedener Aktivitäten

Die Emissionen einzelner Aktivitäten kannst du also nur im Zusammenhang bewerten. Mit einem Maximalbudget von 2,3 Tonnen CO2 pro Jahr kannst du beispielsweise:

  • eine Flugreise von 15 Stunden unternehmen – hin und zurück: 2,39 Tonnen
  • an einer 22tägigen Kreuzfahrt teilnehmen: 2,34 Tonnen
  • durchschnittlich konsumieren und pro Monat 350 Euro für Unterhaltung, Events und Co. ausgeben: 2,49 Tonnen
  • mit dem PkW 14.500 Kilometer zur Arbeit pendeln oder mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln 47.300 Kilometer fahren: 2,33 Tonnen
CO2-Emissionen durch eine Flugreise
CO2-Emissionen durch eine Schiffsreise
CO2-Emissionen durch Konsum
CO2-Emissionen durch Mobilität
CO2-Emissionen durch eine Flugreise
CO2-Emissionen durch eine Schiffsreise
CO2-Emissionen durch Konsum
CO2-Emissionen durch Mobilität
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Wie du siehst, verbrauchen einzelne Aktivitäten bereits dein komplettes Jahresbudget – ganz ohne die Bereiche Wohnen, Strom, Ernährung oder den Deutschland-Sockel.

Apropos „Deutschland-Sockel“: Wusstest du, dass wir in Deutschland schon einmal pauschal einen CO2-Fußabdruck von 0,84 Tonnen pro Person „oben drauf erhalten“? Das sind die Emissionen, die wir in unserem hoch entwickelten Industrieland allgemein für Infrastruktur und Co. verursachen und dadurch zugeteilt bekommen.

Wie klimafreundlich eine bestimmte Reiseart ist, verrät dir auch der Umweltmobil-Check der Deutschen Bahn.

 

Mein eigener CO2-Fußabdruck

Mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes habe ich einmal meinen tatsächlichen CO2-Fußabdruck errechnet. Zugegeben, da sind Schätzungen enthalten. Schließlich sind Konsum- und Ernährungsverhalten keine schwarz-weiß-Entscheidungen, sondern enthalten viele „Zwischentöne“. So variiert z.B. mein Konsumverhalten bei unterschiedlichen Produkten. Manchmal ist mir Langlebigkeit wichtig, manchmal die Funktionalität und manchmal auch andere Faktoren, z.B. beim Laptop oder beim Smartphone.

CO2-Fußabdruck – IST 2022
CO2-Fußabdruck – IST 2022

Der WWF-Klimarechner lobt das zwar, da es deutlich unter dem Deutschen Durchschnitt liegt. Doch so richtig gut ist das auch nicht. Schließlich bräuchten wir dann immer noch 1,63 Planeten. Haben wir aber nicht.

mein Footprint 2022
mein Footprint 2022 laut WWF-Klimarechner

So sähe mein idealer CO2-Fußabdruck aus

An einigen Aspekten kann ich kaum noch etwas verändern. In den Bereichen Wohnen und Strom bin ich schon sehr gut unterwegs und wüsste wirklich nicht, was ich hier reduzieren könnte. Im Bereich Mobilität sind ein paar kleine Dienstreisen, eine Urlaubsreise und eine Reise zur Familie drin. Jedoch ohne Flieger und ohne eigenes Auto. Hier lässt sich nichts mehr reduzieren – es sei denn, ich nehme nur noch an Online-Events teil und verzichte auf jeglichen Familienbesuch.

Wie du jedoch oben in der Grafik sehen kannst, ist noch Potenzial in den Bereichen Konsum und Ernährung. Jetzt habe ich einmal die Angaben drastisch verändert, um zu sehen, wann ich dem Ziel von 2,3 Tonnen CO2 pro Jahr signifikant näher käme.

Um im Klimabudget zu bleiben, müsste ich

  • mich ausschließlich vegan
  • vorwiegend regional
  • und vorwiegend saisonal
  • von Bio-Produkten ernähren.

Mehr bzw. eben weniger in dieser Rubrik halte ich für unrealistisch. Denn schließlich gibt es genügend Produkte wie Kaffee, Tee oder Schokolade, die ich weder regional noch saisonal in Deutschland einkaufen könnte.

Wie viel bestimmte Lebensmittel ausmachen, siehst du auch in der Grafik von OurWorldInData.org. Es macht einen großen Unterschied, ob wir Pflanzen erstmal an Tiere verfüttern, um diese dann selbst zu essen. Oder ob wir direkt die Pflanzen essen. 

Einfluss verschiedenster Lebensmittel auf den CO2-Fußabdruck
Einfluss verschiedenster Lebensmittel auf den CO2-Fußabdruck

Außerdem müsste ich den sonstigen Konsum auf

  • stets sparsam
  • ausschließlich Langlebigkeit
  • und auf gebrauchte Gegenstände
  • mit einem maximal Budget von 50 Euro reduzieren.

Das scheint mir schon sehr ambitioniert. Schließlich sind im „sonstigen Konsum“ auch Event-Besuche, Kino, Restaurantbesuche und vieles mehr enthalten.

idealer CO2-Fußabdruck pro Jahr
idealer CO2-Fußabdruck pro Jahr

Eine alternative Idee: Ich kompensiere CO2 und investiere Geld in klimafreundliche Anlagen. So könnte ich 2,42 Tonnen CO2 „rausholen“. Aber Vorsicht: Der Grat zu GreenWashing ist schmal und nicht jedes Ausgleichsprojekt ist sinnvoll.

Tipps dazu: So findest du Ausgleichsprojekte für klimaneutrale Events

CO2-Emissionen ausgleichen
CO2-Emissionen ausgleichen

Was das für dich und deine Events bedeutet

Wie du siehst, ist es nur mit sehr großen persönlichen Anstrengungen überhaupt möglich, in die Nähe des 2,3 Tonnen Ziels zu kommen. Allerdings kannst du so deine eigenen Verhaltensweisen überhaupt erst einschätzen. Flieg ich lieber? Oder fahre ich mit dem Auto? Wie viel Bio muss ich kaufen, um eine Mischkost auszugleichen? Kann ich bei meinem jetzigen Stromverbrauch noch etwas reduzieren und dafür mir eine andere „Klimasünde leisten“?

Wer sagt, man müsse alles mit Maß und im Bewußtsein tun, hat nun eine konkrete Richtlinie für ein klimaverträgliches Handeln. Rechne selbst aus, wo du stehst und entscheide, was du reduzieren kannst.

Für deine Events bedeutet dies: Sie fallen in den Bereich „sonstiger Konsum“ deiner Zielgruppe. Und damit sind dies Budgetpositionen, die deine Teilnehmer·innen in Frage stellen können und mit Blick auf die Klimakrise auch sollten. Willst du, dass sie trotzdem teilnehmen, kannst du

  • einen Ort wählen, der zentral liegt und mit dem ÖPNV bzw. Fernverkehr erreichbar ist,
    Tipp: Nutze für die Recherche und Auswahl chronotrains
  • überwiegend regionale und saisonale Speisen anbieten,
  • Online-Teilnahmen an deinem Event ermöglichen,
  • ein klimapositives Event organisieren,
  • CO2-Ausgleich ermöglichen
  • und vieles mehr.

Fazit

CO2-Emissionen und Reduktionen müssen nicht kryptisch sein. Rechne einmal deinen persönlichen CO2-Fußabdruck aus und überlege, welche Bereiche dir besonders wichtig sind und an welchen Stellschrauben du drehen kannst – privat als auch bei deinen Events. Darüber hinaus wird es wichtig, dass unsere Politik handelt und die Weichen richtig stellt. Denn ehrlicherweise kommt kaum ein Mensch wirklich auf 2,3 Tonnen CO2-Budget bzw. Verbrauch pro Jahr, will er noch am „normalen Alltag“ teilnehmen.

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