Twitter Spaces – eine sinnvolle Bereicherung für deine Events

[Gastbeitrag] Durch Clubhouse haben Drop-In-Audio Apps jüngst einen großen Hype erlebt. Jetzt ziehen die Großen nach. Nach Instagram Live Rooms, Facebook Rooms auch Twitter. Twitter hat „Twitter Spaces“ als neue Drop-In-Audio-Funktion vorgestellt. Dieses neue Feature ist bereits für ausgewählte Twitter-Nutzer verfügbar und wird im April für alle Nutzer ausgerollt.

Damit wird diese neue Funktion eine interessante Bereicherung für deine Events. Schließlich können Drop-in-Audio Apps dein Live-Event einem erweiterten Publikum öffnen. Sie können laufende Live-Diskussionen erweitern und die Event-Experience mit Text und Ton bereichern. Wie und warum? Das erfährst du in diesem Gastbeitrag von Motoki Tonn.

Twitters offizielles Ankündigungsvideo zu Twitter Spaces
Twitters offizielles Ankündigungsvideo zu Twitter Spaces

Was ist der Unterschied zwischen Twitter Spaces und Clubhouse?

Im Vergleich zu Clubhouse bietet dir Twitter Spaces vier Vorteile:

  1. Twitter Spaces ist ab April für jeden verfügbar
    D.h. die Funktion wird dann für alle Nutzer freigeschaltet. Das ist ein echter Vorteil gegenüber Clubhouse, denn das große Manko von Clubhouse ist die Limitierung auf Nutzer von Apple-Produkten. Die App ist bislang nur für iOS verfügbar. Nutzer von Android haben noch keinen Zugang. Es wird erwartet, dass die Clubhouse App für Android noch mehrere Monate Entwicklungszeit benötigt. In Deutschland nutzen 2021 mehr als 63% aller User Android als mobiles Betriebssystem. Nur etwa 34% nutzen Apples Betriebssystem iOS. Für deine Events ist Clubhouse daher nur eingeschränkt nutzbar.
  2. Twitter Spaces erlaubt die Nutzung von Text und Reaktion
    Bei Clubhouse ist der nonverbale Dialog aus zwei Gründen sehr schwer. Erstens gibt es für Moderatoren nur die Möglichkeit, Mikrofone an- und abzustellen. Zweitens können die Zuhörenden nur durch das Heben ihrer Hand auf sich aufmerksam machen. Spaces bietet hier mehr Interaktion, emotionale Äußerungen und lässt auch Texte zu.
  3. Twitter Spaces setzt bereits auf eine große Userschaft
    Twitter hat schon mehr als 330 Millionen Nutzer. Dagegen verzeichnet Clubhouse derzeit etwa 10 Millionen Nutzer. Außerdem sind bei Twitter bereits viele Firmen und Organisationen aktiv. Dies bedeutet für dein Event, dass sowohl aus B2B- als auch aus B2C-Sicht viele Interessenten und Organisationen bei Twitter aktiv sind.
  4. Du kannst Twitter Spaces kommerziell und werblich nutzen
    Für dich als Event-Planer sehr wichtig: Alles, was auf Twitter erlaubt ist, ist dir auch bei Twitter Spaces gestattet. Es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Twitter. Das bedeutet: Anders als bei Clubhouse darfst du aktiv Werbung schalten.
#eventprofs Das Feature von Twitter wird ab April für alle freigeschaltet. Das ist ein echter Vorteil gegenüber Clubhouse, denn das große Manko von Clubhouse ist die Limitierung auf Nutzer von Apple-Produkten. Klick um zu Tweeten

Was genau ist Twitter Spaces?

Twitter selbst sagt dazu: “Spaces ist eine neue Möglichkeit, Live-Audio-Gespräche auf Twitter zu führen. Wir haben diese neue Funktion mit TwitterSpaces offen aufgebaut und getestet und euer Feedback eingeholt, damit wir sie optimal gestalten. Es nimmt wirklich Formen an, aber es gibt noch viel mehr zu entdecken, einschließlich neuer Features und Updates.”

Twitter hat in kürzester Zeit die wichtigsten „Killer Features“ von Clubhouse kopiert und diese in die eigene App integriert. Du brauchst also keine zusätzliche Installation vorzunehmen, wie etwa bei IGTV. So können alle bestehenden Twitter Nutzer einen eigenen „Space“ eröffnen. Bis zu elf Personen können auf Twitter gleichzeitig sprechen.

So funktioniert Twitter Spaces

Schauen wir uns die Bedienung und Verfügbarkeit von dem neuen Feature bei Twitter einmal genauer an.

So eröffnest du einen Audio-Raum 

Einen Raum auf Twitter eröffnest du entweder über das Kontextmenü oder über die „Fleets“ im oberen Bereich.

So eröffnest du einen Raum bei Twitter Spaces | Illustration: dexp.one/Lumen Design
So eröffnest du einen Raum bei Twitter Spaces | Illustration: dexp.one/Lumen Design

Die Eröffnung eines Space erfolgt entweder über das Kontextmenü oder über die „Fleets“. Dazu musst du erst die Twitter-App auf deinem mobilen Endgerät öffnen. Dann hältst du das Tweet-Symbol in der rechten Ecke gedrückt. Anschließend hast du zwei  Möglichkeiten, um ein Space zu eröffnen:

  • Entweder klickst du auf das gepunktete Quadrat auf der linken Seite.
  • Oder du nutzt den Weg über die neue „Fleets“-Funktion. Dafür musst du das Story-Feature in der mobilen App öffnen und nach links wischen. Dort findest du den Reiter „Bereiche“, über den du Twitter Spaces ebenso öffnen kannst.

So siehst du, ob du Twitter Spaces bereits hast

Wer für Twitter Spaces freigeschaltet wurde, erhält diese Ansicht beim Starten der App. Andere Benutzer haben berichtet, dass sie ohne zusätzlichen Bescheid freigeschaltet wurden.

So sieht es aus, wenn Spaces für dich bereits verfügbar ist | Screenshot Twitter App
So sieht es aus, wenn Spaces für dich bereits verfügbar ist | Screenshot Twitter App

Um herauszufinden, ob dir Twitter Spaces zur Verfügung steht, teste es einfach aus. Folge dafür den obigen Schritten. Sollte das Symbol nicht auftauchen, kannst du derzeit noch keinen Audio-Raum eröffnen.

Wer kann einen Space eröffnen?

Derzeit können nur Beta-Tester einen eigenen Raum erstellen. Dies wird sich im Laufe des Aprils ändern.

Kann ein Space auch privat oder nur für eingeladene Nutzer erstellt werden?

Wenn du einen Space eröffnest, ist er öffentlich für alle zugänglich. Deswegen ist er eine interessante Bereicherung für dein Event. Du kannst so gezielt die Grenzen deines Events öffnen. Auch wenn alle deinem Space beitreten können entscheidest du als Host weiterhin darüber, wer sprechen darf. Ähnlich wie Clubhouse wird Twitter in Zukunft auch private Räume anbieten.

Audiobereiche | Screenshot Twitter App
Audiobereiche | Screenshot Twitter App

So trittst du einem Space bei

Spaces werden dir in den „Fleets“ und am Ende deines Feeds angezeigt. Beim Betreten eines Raumes hast du folgende Auswahl: Sofern der Host diese Funktion aktiviert hat, kannst du dich zwischen der Rolle eines Sprechers und eines Zuhörers entscheiden. Deine Spaces werden dir neben den „Fleets“ angezeigt:

Twitter Spaces | Illustration: dexp.one/Lumen Design
Twitter Spaces | Illustration: dexp.one/Lumen Design

Kannst du Moderatoren hinzufügen?

Nein, derzeit ist der Host der einzige Moderator. Er verwaltet den Space und muss den Teilnehmern sowohl in die Sprecherrolle verhelfen als auch sie unter Umständen blocken. Twitter experimentiert bereits, um künftig die Aufnahme mehrerer Hosts pro Raum zu ermöglichen.

Wie viele Personen können gleichzeitig eine Sprecherrolle einnehmen?

Derzeit ist die Anzahl der Sprecher pro Space noch auf elf Nutzer beschränkt. Auch hier arbeitet Twitter schon an der Ausweitung der aktuellen Möglichkeiten. Bei Clubhouse gibt es in dieser Hinsicht keine Begrenzungen.

Wie viele Menschen können gleichzeitig bei einem Twitter Space zuhören?

Twitter gibt an, dass die Anzahl der Zuhörer nicht begrenzt ist. Große Räume hatten bis dato bereits um die 600 Teilnehmer.

Können Spaces auch im Nachhinein angehört werden?

Bisher sind keine Aufnahmen früherer Spaces abrufbar. Twitter arbeitet daran, alte Gespräche als Audio-Dateien zur Verfügung zu stellen. Ansonsten empfehlen wir dir, mit Zusatzhardware wie dem Rodecaster Pro die Aufnahmen festzuhalten. Das geht bei Clubhouse wie auch bei Twitter Spaces.

Werden Spaces von Twitter mitgeschnitten?

Wenn ein Space vom Host beendet wurde, werden das Transkript und eine Kopie der Audiodatei laut Twitter für 30 Tage gespeichert. Dann werden sie gelöscht, sofern keine Verstöße gegen die Twitter-Regularien gemeldet wurden. Andernfalls werden die Aufnahmen für weitere 90 Tage archiviert, um sie für Betroffene zu sichern.

Twitter Spaces bietet Emojis

Im Raum stehen deinen Teilnehmern Emojis zur Verfügung. Wie auf Facebook haben sie die Wahl aus vielen Emojis, um ihre Stimmung kundzugeben.

So sehen Twitter Spaces aus | Illustration: dexp.one/Lumen Design
So sehen Twitter Spaces aus | Illustration: dexp.one/Lumen Design

Transkription von Unterhaltungen auf Twitter Spaces

Das wohl spannendste Feature von Twitter Spaces ist die Live-Untertitelung. Diese kannst du bei einem Gespräch aktivieren. Dabei wird das gesprochene Wort in Echtzeit in die Textform übertragen. Derzeit ist die Funktion jedoch nur auf Englisch verfügbar.

Datenschutz: Ist Twitter Spaces DSGVO-konform?

Und noch ein Wort zum Datenschutz: Twitter selbst sagt, dass sie den Audio Space dreißig Tage lang speichern. Danach kannst Du davon ausgehen, dass der Audio-Chat gelöscht wird.

Wo genau und unter welchen Bedingungen Twitter das Audio speichert, bleibt vage.

„Twitter speichert Kopien der Audiodaten aus Spaces und der Untertitel (falls aktiviert) 30 Tage nach der Beendigung eines Space, für den Fall, dass sie auf Verstöße gegen die Twitter Regeln überprüft werden müssen.“

Damit haben wir keine Garantie für eine DSGVO-Konformität. Allerdings gilt dies auch für Instagram Live, Facebook Live und andere Streaming Dienste. Der Unterschied für dich ist hier, dass Nutzer sich aktiv und spontan an deiner Audio Session beteiligen. Hierfür wirst du sicher keine unterschriebene Einwilligung von den Beteiligten erhalten. Damit liegt Twitter Spaces im Graubereich. Für dich gilt: Hast du ein Event, dass besonders strengen Datenschutzbedingungen unterliegt, solltest du auf Twitter Spaces verzichten. Ansonsten ist es eine tolle Bereicherung für dein Event, die Teilnehmenden und auch Aussenstehende.

Fazit

Twitter Spaces bietet zahlreiche Vorteile gegenüber der bereits bekannten und wohl auch sehr gehypten Audio-App Clubhouse. Für dich als Eventplaner ist Spaces vor allem deshalb interessant, weil es für deutlich mehr User verfügbar ist und sich ganz offiziell auch werblich nutzen lässt.

Über den Gastautor

Motoki Tonn | © Karoline Wolf
Motoki Tonn | © Karoline Wolf

Klaus Motoki Tonn  ist Spezialist für Digitale Verantwortlichkeit, Kommunikation und Kultur und langjähriger M&A Rechtsanwalt. Bevor er in die Strategie- und Kommunikationsberatung wechselte, begann er seine Karriere 1998 als Unternehmensentwickler, Investor Relations Manager und wechselte später in die Geschäftsleitung von mittelständischen Unternehmen (General Electric, SAP Partner) und Startups.

In den letzten 10 Jahren gründete er Agenturen (gobasil, Lumen, dexp.one) und Social-Impact Initiativen (shift.jetzt) und berät Kunden wie Roche, Daimler, BRITA, Social-Innovatoren wie Yunus Social Business und die Diakonie, Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und Landeskirchen, für die er als Mitglied im Digitalisierungsfond begleitend tätig ist.
Die Arbeiten von Klaus Motoki Tonn und seinen Agenturen wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Cannes Gold Lion Award für Produktdesign.

Klaus Motoki Tonn ist zertifizierter Search Inside Yourself (developed at Google) Trainer und OCI (Organizational Culture Inventory ©) Partner.

 

 

 

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